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Gab es PC-Speichersysteme auf VHS-Basis zur Speicherung digitaler Daten auf VHS-Kassetten?
Antwort vom**Ja – solche Systeme gab es. VHS-Kassetten wurden tatsächlich als Datenspeicher für Computer genutzt, aber fast nie als normales „Dateilaufwerk“, sondern vor allem für Backup, Archivierung oder Spezialanwendungen. Technisch wurden die digitalen Daten dabei in ein videosignalähnliches Muster umgewandelt und dann mit einem VHS-Recorder auf das analoge Band geschrieben.** ([en.wikipedia.org](https://en.wikipedia.org/wiki/ArVid)) ## Was das genau war Wichtig ist die Unterscheidung: Die VHS-Kassette selbst blieb ein **analoges Videomedium**, aber das darauf aufgezeichnete Signal konnte **digital codierte Information** enthalten. Das Prinzip war ähnlich wie bei frühen PCM-Adaptern für Digitalaudio: Ein externes Gerät wandelte Bits in ein Bildsignal um, das für den Videorekorder wie ein normales Videosignal aussah. Beim Abspielen wurde dieses Signal wieder in digitale Daten zurückübersetzt. Genau so arbeiteten PCM-Adapter an VHS-Recordern, und nach demselben Grundprinzip entstanden auch Computer-Datensysteme auf VHS-Basis. ([en.wikipedia.org](https://en.wikipedia.org/wiki/PCM_adaptor)) ## Typische Beispiele Ein bekanntes Beispiel ist **ArVid** („Archiver on Video“), ein Backup-System, das VHS-Bänder als Datenträger nutzte. Es war ausdrücklich als Datensicherungslösung gedacht, nicht als Ersatz für eine Festplatte im Alltagsbetrieb. ([en.wikipedia.org](https://en.wikipedia.org/wiki/ArVid)) Daneben gab es auch professionelle oder halbprofessionelle Lösungen, bei denen Rechnerdateien auf **Beta- oder VHS-Videokassetten** gesichert wurden. In Handbüchern solcher Systeme wird VHS ausdrücklich als zulässiges Speichermedium für Backup und Restore genannt. ([bitsavers.org](https://bitsavers.org/pdf/alphaMicrosystems/amos/DSS-10032099_A02_AMOS_L_Video_Cassette_Recorder_Backup_Software_Mar1983.pdf)) Ein wichtiger Sonderfall sind **PCM-Adapter**: Sie dienten primär der digitalen Audioaufzeichnung auf VHS oder Betamax, zeigen aber sehr gut, dass ein Videorekorder als allgemeiner Bandtransport für digitale Information nutzbar war. Praktisch war das dieselbe Grundidee: Daten werden als „Pseudo-Video“ gespeichert. ([en.wikipedia.org](https://en.wikipedia.org/wiki/PCM_adaptor)) ## Wofür wurde das genutzt Der Hauptzweck war **Backup und Langzeitspeicherung großer Datenmengen zu niedrigen Medienkosten**. Sinnvoll war VHS vor allem dort, wo - viel Kapazität wichtiger war als Geschwindigkeit, - Daten sequentiell gesichert werden sollten, - bereits günstige VHS-Technik vorhanden war, - und ein Bandwechsel akzeptabel war. Für den normalen täglichen Dateizugriff war VHS ungeeignet. Der entscheidende Unterschied zu Festplatte oder später CD/DVD ist: **VHS ist ein streng sequentielles Medium**. Eine bestimmte Datei liegt nicht „sofort“ vor, sondern das Band muss erst an die richtige Stelle gespult werden. ([en.wikipedia.org](https://en.wikipedia.org/wiki/ArVid)) ## Vorteile ### Sehr günstige Medien Der größte Vorteil war der Preis. VHS-Kassetten waren Massenware und deutlich billiger als viele spezialisierte Computer-Bandmedien. ### Hohe Kapazität für die Zeit Für Backup-Zwecke konnte VHS attraktiv sein, weil auf ein einzelnes Band viel mehr passte als auf Disketten. Genau deshalb tauchte das Konzept vor allem in Sicherungssystemen auf. ([bitsavers.org](https://bitsavers.org/magazines/Mini-Micro_Systems/198304_Alpha_Micro_Video_Cassette_Recorder_for_Disk_Backup.pdf)) ### Weit verbreitete Hardware VHS-Recorder waren leicht verfügbar. Das senkte die Einstiegskosten, besonders in kleinen Firmen oder bei Speziallösungen. ### Robustes Offline-Backup Ein Band im Schrank war ein echtes Offline-Medium. Gegen versehentliches Löschen auf dem Rechner half das besser als eine zweite Diskette im selben Laufwerk. ## Nachteile ### Langsam Der größte Nachteil war nicht nur die Datenrate, sondern vor allem der **Zugriff**. Suchen, Spulen, Positionieren und Wiederherstellen einzelner Dateien war mühsam. ### Unbequem und fehleranfällig VHS-Recorder waren nicht für Computerpräzision gebaut. Bandzustand, Spurtreue, Laufwerksjustage und Signalqualität spielten eine große Rolle. Schon kleine Probleme konnten Lesefehler verursachen. ### Kein echtes Computerlaufwerk VHS eignete sich nicht als interaktiver Massenspeicher. Es war eher mit einem Archivkarton vergleichbar als mit einer Festplatte: billig und groß, aber unpraktisch im täglichen Zugriff. ### Abhängigkeit von Zusatzhardware Ohne den passenden Encoder/Decoder waren die Daten wertlos. Eine normale VHS-Kassette mit solchen Daten konnte man nicht einfach „lesen“, nur weil man einen Videorekorder hatte. ([en.wikipedia.org](https://en.wikipedia.org/wiki/PCM_adaptor)) ## Warum sich das nicht durchgesetzt hat VHS war eine Übergangslösung, weil es billig war, nicht weil es technisch ideal war. Sobald spezialisierte Datenspeicher wie **DAT/DDS**, 8-mm-Backup, QIC oder später günstige Festplatten und optische Medien verfügbar wurden, verlor VHS schnell seinen Reiz. Diese Systeme waren kompakter, zuverlässiger und besser auf Computerdaten ausgelegt. DAT etwa wurde ausdrücklich auch als Computer-Speichermedium weiterentwickelt; gegenüber VCR-plus-Adapter-Lösungen war das deutlich praxisnäher. ([en.wikipedia.org](https://en.wikipedia.org/wiki/Digital_Audio_Tape)) ## Der wichtigste Praxisunterschied Der häufigste Denkfehler ist: „Wenn Daten digital sind, ist das Band auch digital.“ Das stimmt hier nicht. Bei VHS-Datenspeicherung war meist **das Nutzsignal digital codiert, aber die Aufzeichnungskette analog geprägt**. Genau daraus ergaben sich die typischen Probleme: Toleranzen des Recorders, Bandverschleiß, Tracking und Signalstörungen wirkten direkt auf die Lesbarkeit. ## Kurzfazit **Ja, PC-Speichersysteme auf VHS-Basis gab es – vor allem als günstige Backup- und Archivlösung. Ihr Vorteil war viel Speicher für wenig Geld, ihr entscheidender Nachteil war der langsame, unkomfortable und vergleichsweise störanfällige sequentielle Zugriff. Deshalb waren sie historisch interessant, aber nie eine wirklich gute Alternative zu echten Computerlaufwerken.** ([en.wikipedia.org](https://en.wikipedia.org/wiki/ArVid))
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