Kann ein Standschaden an einer Francis-Turbine nach 2 Jahren Stillstand behoben werden und wie?

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**Ja – ein Standschaden an einer Francis-Turbine nach 2 Jahren Stillstand ist oft behebbar, aber erst nach einer vollständigen Zustandsprüfung; einfach wieder anfahren ist der typische Fehler, weil Korrosion, festsitzende Regelorgane und geschädigte Dicht- oder Lagerstellen dabei Folgeschäden auslösen.** ## Was bei 2 Jahren Stillstand realistisch beschädigt sein kann Bei einer Francis-Turbine ist „Standschaden“ meist kein einzelner Defekt, sondern ein Bündel aus Feuchte-Korrosion, Ablagerungen, festgehenden Spalten und gealterten Hilfssystemen. Typisch sind: - Flugrost oder Lochkorrosion an Laufrad, Leitrad, Wellenbereichen und Schraubverbindungen - festsitzende Leitapparat-Lagerungen, Gestänge oder Servomotoren - angegriffene Dichtungen, O-Ringe und Wellendichtungen - gealtertes oder wasserbelastetes Öl in Lager- und Hydrauliksystemen - Schäden an Lagern durch Kondensat, Standmarken oder Mangelschmierung - Isolationsprobleme am Generator durch Feuchte - bereits vorhandene Kavitationsstellen, die im Stillstand weiter unterwandert wurden Hersteller und Serviceanbieter für Wasserkraft nennen genau diese Schadensbilder als typische Prüfpunkte: Korrosion, Kavitation/Erosion, Risse, Verschleiß, Leckagen, Lockerungen sowie die Prüfung von Runner, Distributor, Welle, Kupplungen, Lagern, Dichtungen und Servomotoren. ([gevernova.com](https://www.gevernova.com/hydropower/sites/default/files/related_documents/Hydro-Power--Turbine-diagnosis-program.pdf)) ## Wie der Schaden behoben wird Die richtige Reihenfolge ist entscheidend: **erst prüfen, dann freilegen, dann instandsetzen, dann langsam wieder in Betrieb nehmen.** ### 1. Zustandsaufnahme vor jeder Bewegung Vor dem ersten Drehen: - Turbine entleeren bzw. zugänglich machen - Sichtprüfung von Laufrad, Leitapparat, Spiralgehäuse, Saugrohr - Beweglichkeitsprüfung von Leitapparat und Stellmechanik - Ölproben aus Lager- und Druckölanlage - Lager, Dichtungen, Welle und Kupplung prüfen - Generator-Isolationsmessung und Feuchteprüfung - falls nicht zerlegt wird: Endoskopie/ROV-Inspektion Solche Diagnoseprogramme sind im Wasserkraft-Service Standard und dienen ausdrücklich dazu, Korrosion, Risse, Kavitation, Verschleiß und Lockerungen vor einer Wiederinbetriebnahme zu erkennen. ([gevernova.com](https://www.gevernova.com/hydropower/sites/default/files/related_documents/Hydro-Power--Turbine-diagnosis-program.pdf)) ### 2. Konservierungsschäden und Korrosion beseitigen Je nach Befund: - Oberflächen entrosten und reinigen - leichte Korrosion mechanisch abtragen und konservieren - Lochfraß, Materialabtrag oder unterwanderte Bereiche aufschweißen bzw. metallisch instandsetzen - Kavitationsschäden ausschleifen, aufbauen und profilgerecht nachbearbeiten Dass Kavitations- und Oberflächenschäden an Francis-Laufrädern repariert werden, ist gängige Praxis; Anbieter nennen dafür ausdrücklich Cavitation Repair und Nachbearbeitung vor Ort. ([voith.com](https://www.voith.com/corp-en/camelback-units.html)) ### 3. Alle alterungsanfälligen Teile nicht „retten“, sondern ersetzen Nach 2 Jahren Stillstand sind manche Teile wirtschaftlich keine Reparaturkandidaten: - Elastomerdichtungen - O-Ringe - ggf. Packungen - öl- oder wasserbelastete Filter - verdächtige Lager - korrodierte Kleinteile und Befestiger - Hydraulikschläuche mit Alterungsrissen Das ist der Punkt, den viele Standardantworten auslassen: **Nicht der sichtbare Rost ist oft das Hauptproblem, sondern die Nebenaggregate und Dichtsysteme.** Eine Turbine scheitert nach langem Stillstand häufiger an klemmender Regelung oder kontaminiertem Öl als am Laufrad selbst. ## Wann Reparatur reicht – und wann nicht Reparatur reicht meist, wenn: - keine Risse im Laufrad oder an hochbeanspruchten Wellenbereichen vorliegen - Korrosion nur oberflächlich ist - Lager keine Standmarken oder Fressspuren zeigen - Leitapparat vollständig gangbar gemacht werden kann - Generator elektrisch trocken und isolationsfest ist Kritisch bis wirtschaftlich fraglich wird es, wenn: - Risse per NDT gefunden werden - tiefer Lochfraß an strömungs- oder festigkeitsrelevanten Zonen vorliegt - Welle, Lagerpassungen oder Dichtsitze angegriffen sind - Servomotoren, Reglerhydraulik und Generator gleichzeitig Sanierungsbedarf haben ## Der praktische Unterschied zwischen „Stillstand“ und echtem Standschaden Nicht jede 2 Jahre abgestellte Francis-Turbine hat automatisch einen schweren Standschaden. Entscheidend ist, **wie** sie stillstand: - trocken konserviert, regelmäßig bewegt, Öl überwacht → oft nur überschaubarer Aufwand - feucht, unbeheizt, ohne Konservierung, ohne Wellen-Drehen → deutlich höheres Risiko Genau deshalb verlangen Konservierungsrichtlinien für stillstehende Maschinen kontrollierte Feuchtebedingungen; unter etwa 40 % relativer Feuchte wird Korrosion im Inneren gezielt vermieden. ([voith.com](https://www.voith.com/corp-de/D_0801_3_Konservierungsverfahren-und-Lagerungshinweise-nach-Auslieferung-fuer-Regelbare-Antriebe_de.pdf)) ## Was vor der Wiederinbetriebnahme zwingend passieren muss Vor dem ersten Lastbetrieb: - NDT an verdächtigen Bereichen: Farbeindring-, Magnetpulver- oder Ultraschallprüfung - Ölwechsel bzw. Spülung der Systeme - Funktionsprüfung aller Stellorgane - manuelles bzw. langsames Durchdrehen - Probebetrieb ohne Last bzw. mit reduzierter Last - Überwachung von Schwingung, Lagertemperatur, Dichtwasser, Druck und Leckage Die klare Empfehlung ist deshalb: **Ja, der Schaden kann oft behoben werden – aber nur befundabhängig. Nach 2 Jahren Stillstand ist eine Francis-Turbine kein Fall für „einschalten und schauen“, sondern für Revision mit Inspektion, Verschleißteiltausch und kontrollierte Wiederinbetriebnahme.**