Steuert der Drehmomentsensor beim E-Bike die Unterstützung so, dass 10 % Unterstützung auch 10 % mehr Drehmoment bedeuten?
Antwort vom**Nein. „10 % Unterstützung“ bedeutet bei E‑Bikes mit Drehmomentsensor in der Praxis fast nie „10 % mehr Drehmoment am Hinterrad“. Meist bedeutet es: Der Motor gibt einen bestimmten Anteil *deiner* Tretleistung oder deines gemessenen Pedaldrehmoments dazu – und dieser Anteil wird zusätzlich durch Drehzahl, Geschwindigkeit, Motorkennfeld und die gesetzliche Leistungsgrenze begrenzt.** ## Was der Drehmomentsensor tatsächlich macht Der Drehmomentsensor misst, wie stark du auf die Pedale trittst. Die Motorsteuerung nutzt dieses Signal, um die Unterstützung proportional zu regeln: wenig Pedaldruck = wenig Motorhilfe, viel Pedaldruck = mehr Motorhilfe. Entscheidend ist aber: Der Sensor selbst legt nicht fest, dass „10 % Unterstützung“ exakt „10 % mehr Drehmoment“ bedeutet. Das ist nur ein Steuerwert im System. Der Hersteller definiert, wie daraus Motorstrom, Motorleistung und Motordrehmoment werden. ## Warum „10 % Unterstützung“ nicht gleich „10 % mehr Drehmoment“ ist Es gibt drei Ebenen, die oft verwechselt werden: - **Pedaldrehmoment**: was du selbst einbringst - **Motordrehmoment**: was der Motor an der Kurbel oder im Antrieb ergänzt - **Rad-Drehmoment**: was nach Übersetzung tatsächlich am Hinterrad ankommt Wenn ein System intern mit „10 % Assist“ arbeitet, kann das je nach Hersteller bedeuten: - 10 % deines gemessenen Pedaldrehmoments als Motorzugabe - 10 % deiner geschätzten Fahrerleistung - eine sehr niedrige Stromfreigabe im jeweiligen Unterstützungsmodus - ein Wert, der nur in einem bestimmten Trittfrequenzbereich gilt Die praktische Folge: Am Berg, bei niedriger Kadenz oder nahe der Leistungsgrenze kann derselbe Modus sich völlig anders anfühlen als in der Ebene. ## Der wichtige Unterschied: Drehmoment ist nicht Leistung Das ist der Punkt, an dem viele Angaben missverstanden werden. Drehmoment allein sagt noch nicht, wie stark das E‑Bike tatsächlich schiebt. Entscheidend ist auch die **Drehzahl**. Ein Motor kann bei niedriger Trittfrequenz ein anderes Verhalten zeigen als bei hoher. Deshalb kann „10 % Unterstützung“ bei 50 U/min anders wirken als bei 90 U/min, obwohl du subjektiv ähnlich stark trittst. Kurz gesagt: - **gleicher Unterstützungswert** - **nicht automatisch gleiches zusätzliches Drehmoment** - **erst recht nicht automatisch gleiches Plus am Hinterrad** ## Konkretes Beispiel Du trittst mit einem bestimmten Pedaldrehmoment an der Kurbel. Dann kann ein System grob so reagieren: - bei niedriger Last: Motor gibt ungefähr proportional etwas dazu - bei höherer Last: Motor gibt mehr dazu, aber nur bis zur internen Grenze - bei hoher Geschwindigkeit: Unterstützung fällt ab - bei ungünstiger Kadenz: Motor arbeitet weniger effizient oder liefert anders als erwartet Das heißt: Selbst wenn die Software nominell „10 %“ vorgibt, kommt daraus kein überall gültiges „immer exakt 1,10-faches Gesamtdrehmoment“ heraus. ## Was man stattdessen als Faustregel annehmen kann Bei einem E‑Bike mit gut abgestimmtem Drehmomentsensor gilt eher: **Je stärker du trittst, desto stärker unterstützt der Motor proportional mit – aber nur innerhalb der Grenzen des jeweiligen Fahrmodus und der Motorsteuerung.** Das ist die richtige praktische Lesart. Wenn du es technisch sauber ausdrücken willst: **Ein Drehmomentsensor ermöglicht eine lastabhängige, proportionale Unterstützung; ein Prozentwert beschreibt meist die Regelcharakteristik des Motors, nicht ein garantiertes Plus an real anliegendem Gesamtdrehmoment.**