Czinglar (2011) untersuchte in ihrer Studie den Grammatikerwerb bei Kindern und Erwachsenen, die Deutsch als Zweitsprache lernen, und verglich dabei insbesondere den Erwerb vor und nach der Pubertät. Zu den zentralen Ergebnissen ihrer Untersuchung zählen: 1. **Vorteil des frühen Erwerbs:** Kinder, die vor der Pubertät mit dem Erwerb der Zweitsprache beginnen, erreichen in der Regel ein höheres Kompetenzniveau in der Grammatik als Spätlerner, die erst nach der Pubertät beginnen. 2. **Qualitative Unterschiede:** Es zeigen sich qualitative Unterschiede im Grammatikerwerb: Während frühe Lerner oft grammatische Strukturen ähnlich wie Erstsprachler erwerben, zeigen späte Lerner häufiger fossilierte Fehler und nutzen teilweise andere Erwerbsstrategien. 3. **Kritische Phase:** Die Ergebnisse stützen die Hypothese einer „kritischen Phase“ für den Spracherwerb, insbesondere im Bereich der Grammatik. Nach der Pubertät nimmt die Fähigkeit, grammatische Strukturen einer neuen Sprache vollständig und fehlerfrei zu erwerben, deutlich ab. 4. **Individuelle Unterschiede:** Trotz dieser Tendenzen gibt es auch bei späten Lernern individuelle Unterschiede, die durch Faktoren wie Motivation, Lernumgebung und Sprachkontakt beeinflusst werden. Zusammengefasst kommt Czinglar zu dem Schluss, dass der Zeitpunkt des Zweitspracherwerbs einen entscheidenden Einfluss auf den Grammatikerwerb hat und dass insbesondere der Erwerb vor der Pubertät mit besseren Ergebnissen verbunden ist. Quelle: Czinglar, Christine (2011): „Grammatikerwerb im Kindes- und Erwachsenenalter. Eine empirische Untersuchung zum Zweitspracherwerb des Deutschen.“ [Verlag Dr. Kovac](https://www.verlagdrkovac.de/978-3-8300-5632-2.htm)