Im Kern ja: Islam beansprucht ausdrücklich, denselben einen Gott Abrahams, Moses’ und damit auch den Gott Israels zu verehren – aber Judentum, Christentum und Islam verstehen diesen G...
Gibt es Christen, die das Christentum als eine Form des Judentums sehen?
Antwort vom**Ja – solche Christen gibt es, aber meist in einem sehr bestimmten Sinn: Sie meinen nicht, dass heutiges Christentum einfach „eine jüdische Konfession“ sei, sondern dass es historisch aus dem Judentum hervorgegangen ist und anfangs selbst eine jüdische Bewegung war.** ([academic.oup.com](https://academic.oup.com/yale-scholarship-online/book/31544/chapter-abstract/264684430)) ## Der entscheidende Unterschied Historisch ist die Aussage gut begründet: Jesus, seine ersten Anhänger und die Jerusalemer Urgemeinde waren Juden, und das frühe Christentum entstand innerhalb des Judentums des 1. Jahrhunderts. Viele Fachleute beschreiben die erste Jesusbewegung deshalb als eine jüdische Strömung, bevor sich Christentum und Judentum schrittweise auseinanderentwickelten. ([academic.oup.com](https://academic.oup.com/yale-scholarship-online/book/31544/chapter-abstract/264684430)) Theologisch sagen die meisten Christen heute aber **nicht**, das Christentum sei einfach nur eine Variante des Judentums. Die meisten Kirchen verstehen beide Religionen inzwischen als eng verwandt, aber eigenständig. Gerade die katholische Kirche betont einerseits die tiefe Verwurzelung des Christentums im Judentum, andererseits spricht sie nicht davon, dass beides dieselbe Religion sei. ([vatican.va](https://www.vatican.va/archive/hist_councils/ii_vatican_council/documents/vat-ii_decl_19651028_nostra-aetate_he.html)) ## Wer vertritt so eine Sicht Es gibt vor allem drei Gruppen oder Denkrichtungen: - **Historiker und bibelwissenschaftlich geprägte Christen**: Sie sagen oft, das frühe Christentum sei zunächst eine jüdische Bewegung oder „Sekte“ im antiken Sinn gewesen. ([academic.oup.com](https://academic.oup.com/yale-scholarship-online/book/31544/chapter-abstract/264684430)) - **Judenchristliche oder messianisch geprägte Gruppen**: Sie betonen stärker, dass der Glaube an Jesus mit jüdischer Identität und Praxis verbunden bleiben könne. Das ist aber innerhalb des Christentums keine Mehrheitsposition. ([academic.oup.com](https://academic.oup.com/reference/62341/reference-article-abstract/554095335)) - **Neuere theologische Ansätze wie „Paul within Judaism“**: Dort wird Paulus nicht als jemand gelesen, der das Judentum verließ, sondern als Jude, der Jesus als Messias verkündigte. Das verschiebt die Grenze zwischen Judentum und frühem Christentum deutlich. ([de.wikipedia.org](https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_within_Judaism)) ## Was daran oft missverstanden wird Der häufigste Fehler ist, **Geschichte und Gegenwart zu vermischen**. Dass das Christentum **aus** dem Judentum entstanden ist, heißt nicht automatisch, dass es **heute** nur eine Unterform des Judentums ist. Der Bruch entstand vor allem an Fragen wie: Wer ist Jesus Gilt er als Messias und göttlich Wie verbindlich ist die Tora für Nichtjuden Genau an diesen Punkten wurden aus einer innerjüdischen Bewegung zwei eigenständige Religionen. ([academic.oup.com](https://academic.oup.com/yale-scholarship-online/book/31544/chapter-abstract/264684430)) Der praktische Kern ist also: **Ja, manche Christen sehen das Christentum historisch als eine Art Judentum oder als daraus hervorgegangene jüdische Bewegung; als Beschreibung des heutigen Christentums ist das aber eine Minderheits- und keine Standardposition.** ([academic.oup.com](https://academic.oup.com/yale-scholarship-online/book/31544/chapter-abstract/264684430))
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