Wie häufig gestehen Menschen eine Straftat, die sie nicht begangen haben, und sitzen gegen Bezahlung für andere im Gefängnis?

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**Nein – als gezieltes Modell „Ich gestehe für jemand anderen und sitze gegen Bezahlung dessen Haftstrafe ab“ ist das kein häufiger Normalfall. Falsche Geständnisse kommen vor, aber meist durch Druck, Angst, Vernehmungssituationen oder eigene Schutzmotive – nicht als funktionierendes Geschäftsmodell zum bezahlten Fremd-Absitzen.** ([nij.ojp.gov](https://nij.ojp.gov/library/publications/wrongful-convictions-latest-scientific-research-and-implications-law)) ## Der wichtige Unterschied Ein **falsches Geständnis** ist real und strafprozessual ein ernstes Problem. Forschung zu Fehlurteilen zeigt, dass falsche Geständnisse in einem relevanten Teil von Justizirrtümern vorkommen; in einer NIJ-Zusammenfassung waren sie bei 22 % der untersuchten Fehlverurteilungen beteiligt, und beim Innocence Project tauchen sie in etwa einem Viertel der per DNA aufgehobenen Fehlurteile auf. Das bedeutet: Unschuldige gestehen tatsächlich manchmal Taten, die sie nicht begangen haben. ([nij.ojp.gov](https://nij.ojp.gov/library/publications/wrongful-convictions-latest-scientific-research-and-implications-law)) Etwas anderes ist aber die Vorstellung, man könne **planmäßig für Geld die Strafe eines anderen übernehmen**. Das scheitert in der Praxis meist schon daran, dass Strafverfahren und Strafvollstreckung an die **konkrete Identität der verurteilten Person** anknüpfen. Spätestens bei Identitätsfeststellung, Aktenabgleich und Vollstreckung ist das rechtlich und organisatorisch hoch riskant; dazu kommen neue eigene Straftaten wie falsche Verdächtigung, Strafvereitelung, mittelbare Falschbeurkundungs- oder Betrugs-/Identitätstäuschungskonstellationen je nach Vorgehen. Die Strafprozessordnung sieht ausdrücklich Maßnahmen zur Identitätsfeststellung vor. ([dejure.org](https://dejure.org/gesetze/StPO/Gesamt/163b)) ## Warum Menschen trotzdem falsch gestehen Der typische Fall ist nicht „Bezahlung“, sondern **Druck**. Besonders riskant sind lange oder manipulative Vernehmungen, Täuschung über angebliche Beweise, psychische Überforderung, Jugend, kognitive Einschränkungen oder der Wunsch, jemand Nahestehenden zu schützen. Genau deshalb ist ein Geständnis kein automatischer Wahrheitsbeweis. ([innocenceproject.org](https://innocenceproject.org/false-confessions/)) Ein wenig beachteter Punkt: Auch **unschuldige Menschen bekennen sich teils schuldig, obwohl sie wissen, dass sie unschuldig sind**, wenn sie ein noch schlimmeres Risiko vermeiden wollen – etwa Untersuchungshaft, ein höheres Strafmaß oder massiven Verfahrensdruck. Das ist einer der Gründe, warum „hat doch gestanden“ juristisch viel weniger eindeutig ist, als viele denken. ([innocenceproject.org](https://innocenceproject.org/wp-content/uploads/2019/09/FSR3104-5_04_Final-Publication-Innocents-Who-Plead-Guilty-April-June-2019-1.pdf)) ## Praktische Einordnung Für dich heißt das: **Falsche Geständnisse sind nicht selten genug, um sie als Ausnahmefantasie abzutun – aber das bezahlte Absitzen für einen anderen ist kein häufiger, verlässlich funktionierender Weg.** Wenn so etwas versucht wird, produziert es meist nur **zusätzliche Straftaten und ein noch größeres Problem** für alle Beteiligten. ([nij.ojp.gov](https://nij.ojp.gov/library/publications/wrongful-convictions-literature-issues-and-unheard-voices))