Wusste das FBI vor 9/11 davon?

Antwort vom

**Nein – es gibt keine belastbaren Belege dafür, dass das FBI den konkreten Anschlag vom 11. September 2001 im Voraus kannte; belegt ist aber, dass das FBI mehrere Warnsignale hatte und sie wegen Analyse-, Zuständigkeits- und Informationsfehlern nicht rechtzeitig zusammenführte.** ([9-11commission.gov](https://www.9-11commission.gov/report/)) ## Der entscheidende Unterschied „Wusste davon“ und „hatte Hinweise“ sind nicht dasselbe. Die 9/11-Kommission kam nicht zu dem Schluss, dass das FBI den Plan kannte und ihn laufen ließ. Ihr Befund war vielmehr, dass US-Behörden – darunter das FBI – vor 9/11 relevante Einzelinformationen besaßen, aber organisatorisch nicht in der Lage waren, daraus rechtzeitig ein Gesamtbild zu machen. Die Kommission formulierte sinngemäß, dass die Behörden vor 9/11 oft nicht einmal „wussten, was sie wussten“. ([9-11commission.gov](https://www.9-11commission.gov/report/)) ## Was das FBI tatsächlich hatte Besonders wichtig sind zwei bekannte Vorfälle: - **Phoenix Memo (Juli 2001):** Ein FBI-Agent warnte vor der Möglichkeit, dass islamistische Extremisten US-Flugschulen nutzen könnten. Das Memo führte aber nicht zu einer wirksamen nationalen Reaktion. ([oig.justice.gov](https://oig.justice.gov/sites/default/files/legacy/special/s0606/final.pdf)) - **Zacarias Moussaoui (August 2001):** Das FBI in Minneapolis wurde misstrauisch, weil Moussaoui Flugtraining wollte, aber kein Interesse an Landungen zeigte. Die Ermittler wollten weitergehende Maßnahmen, bekamen sie aber nicht rechtzeitig. Der spätere DOJ-Inspector-General-Bericht beschreibt hier klare Versäumnisse, aber keinen Nachweis, dass das FBI dadurch den gesamten 9/11-Plan erkannt hatte. ([oig.justice.gov](https://oig.justice.gov/sites/default/files/legacy/special/s0606/final.pdf)) Die praktische Konsequenz ist klar: Das Problem war nach den offiziellen Untersuchungen nicht Vorwissen über den exakten Anschlagstag, sondern ein Systemversagen bei Auswertung und Weitergabe von Hinweisen. ([9-11commission.gov](https://www.9-11commission.gov/report/)) ## Warum daraus bis heute Verschwörungsvorwürfe entstehen Der Verdacht entsteht, weil die Warnzeichen im Rückblick auffällig wirken. Nach dem Anschlag sehen Phoenix, Moussaoui und andere Hinweise wie Teile eines offensichtlichen Musters aus. Genau das ist aber der Kern der offiziellen Kritik: Im Nachhinein wirkt das Bild klar, **vorher** lagen die Informationen verstreut in verschiedenen Büros und Behörden. Die 9/11-Kommission kritisierte ausdrücklich das FBI-System, weil Feldinformationen nicht wirksam mit nationalen Prioritäten und Analysen verknüpft wurden. ([9-11commission.gov](https://9-11commission.gov/report/911Report_Exec.htm?wb48617274=EF5B6A36)) ## Die klare Einordnung Wenn mit der Frage gemeint ist, ob das FBI **den konkreten 9/11-Anschlag vorher kannte**, lautet die sachlich beste Antwort: **nein, dafür gibt es keinen belastbaren Nachweis**. Wenn gemeint ist, ob das FBI **vorher Warnhinweise hatte, die im Nachhinein hochrelevant waren**, lautet die Antwort: **ja, eindeutig**. ([9-11commission.gov](https://www.9-11commission.gov/report/)) Der wichtige Unterschied ist also nicht klein, sondern zentral: **Vorwissen wäre Mittäterschaft oder Duldung; belegt ist stattdessen ein schweres Behördenversagen.** ([9-11commission.gov](https://www.9-11commission.gov/report/))

Kategorie: Politik Tags: FBI Neunelf Terror