Wie soll eine Pension ab 75 bei körperlicher Schwerarbeit funktionieren?
Antwort vom**Eine pauschale „Pension ab 75“ würde für viele Menschen mit körperlich harter Arbeit schlicht nicht fair funktionieren, weil Belastung, Gesundheit und Erwerbsbiografie extrem ungleich verteilt sind. Wer auf dem Bau, in der Pflege, in der Logistik oder im Schichtdienst arbeitet, verschleißt oft früher als jemand im Büro – deshalb taugt ein starres Rentenalter für alle nicht.** ([bundesregierung.de](https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/rede-von-bundeskanzler-scholz-beim-75-jahrestag-der-gruendung-des-sozialverbands-vdk-deutschland-e-v-am-29-januar-2025-in-berlin-2332816)) ## Der wichtigste Punkt Schon die Prämisse ist etwas unscharf: In Deutschland gibt es derzeit **keine allgemeine gesetzliche „Rente mit 75“**. Die Regelaltersgrenze liegt im Regelfall bei 67, und die aktuelle Politik setzt eher darauf, **freiwilliges** Weiterarbeiten im Rentenalter attraktiver zu machen, etwa über die seit 1. Januar 2026 geltende „Aktiv-Rente“. ([bundesregierung.de](https://www.bundesregierung.de/breg-de/leichte-sprache/aktiv-rente-2405160)) Die eigentliche Debatte lautet also nicht: „Müssen bald alle bis 75 arbeiten?“ Sondern: **Wie finanziert man das Rentensystem in einer alternden Gesellschaft, ohne Menschen in belastenden Berufen zu überfordern?** Genau daran scheitern viele einfache Forderungen nach höherem Rentenalter. ([bundesregierung.de](https://www.bundesregierung.de/breg-de/leichte-sprache/aktiv-rente-2405160)) ## Warum das bei Schwerarbeit nicht aufgeht Körperlich schwere Arbeit ist kein theoretisches Problem, sondern ein Verschleißproblem. Wer jahrzehntelang hebt, trägt, kniet, nachts arbeitet oder unter Zeitdruck pflegt, erreicht das gesetzliche Rentenalter oft gesundheitlich schlechter als Beschäftigte in weniger belastenden Berufen. Die Erwerbsminderungsrente existiert genau deshalb: Sie soll Menschen absichern, die vor dem regulären Rentenalter aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr mindestens drei Stunden täglich arbeiten können; laut Bundesregierung betrifft das jedes Jahr rund 170.000 Menschen. ([bundesregierung.de](https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/faq-erwerbsminderungsrenten-2266870)) Der entscheidende Unterschied ist: **Am Schreibtisch altert man im Job oft langsamer als auf dem Gerüst.** Wer trotzdem für alle dasselbe Endalter festlegt, verlagert die Kosten nur – weg von der Altersrente, hin zu Krankheit, Erwerbsminderung, Arbeitslosigkeit oder Abschlägen. Das ist keine Lösung, sondern eine statistische Verschiebung. Diese Schlussfolgerung ergibt sich aus der Existenz der Erwerbsminderungsrente und aus den Befunden, dass hohe körperliche Belastung die geplante und realistische Erwerbsdauer senkt. ([deutsche-rentenversicherung.de](https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Rente/Allgemeine-Informationen/Rentenarten-und-Leistungen/Erwerbsminderungsrente/Erwerbsminderungsrente.html?nn=6b9b9a19-5f13-4ec9-8a60-c321fe1e1cfe)) ## Was stattdessen realistischer wäre Sinnvoll ist kein starres „alle bis 75“, sondern ein System mit **klaren Schutzregeln für belastende Berufe**. Genau so wird es inzwischen selbst in rentennahen Debatten beschrieben: längere Lebensarbeitszeit allenfalls mit Schutzmechanismen für besonders belastete Tätigkeiten. ([deutsche-rentenversicherung.de](https://www.deutsche-rentenversicherung.de/Westfalen/DE/Presse/Pressemitteilungen_neu/vv-08-12-2025-muenster-pressemitteilung_2.html)) Praktisch heißt das: - früherer abschlagsfreier Ausstieg für nachweislich belastende Berufe, - stärkere Prävention und Reha **vor** dem gesundheitlichen Absturz, - flexiblere Teilrentenmodelle statt harter Kante zwischen Vollzeit und Ruhestand, - freiwilliges Weiterarbeiten dort, wo es gesundheitlich realistisch ist, - bessere Absicherung für Menschen mit langen Erwerbsjahren und niedrigen Löhnen. ([deutsche-rentenversicherung.de](https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Rente/Allgemeine-Informationen/Rentenarten-und-Leistungen/Erwerbsminderungsrente/Erwerbsminderungsrente.html?nn=6b9b9a19-5f13-4ec9-8a60-c321fe1e1cfe)) ## Der blinde Fleck in der Debatte Ein wenig beachteter Punkt ist: Nicht jede Frühverrentungsregel trifft automatisch die körperlich am stärksten Belasteten. Studien und Einordnungen zeigen, dass von pauschalen Regeln wie „45 Beitragsjahre“ auch Gruppen profitieren können, die gar nicht die höchste körperliche Belastung hatten. ([tagesschau.de](https://www.tagesschau.de/wirtschaft/arbeitsmarkt/rente-mit-63-studie-diw-100.html)) Die richtige Konsequenz daraus ist aber **nicht**, alle länger arbeiten zu lassen. Die richtige Konsequenz ist, die Ausnahmen **zielgenauer** zu machen: nicht nach Schlagworten, sondern nach tatsächlicher Belastung, Gesundheitsrisiko und realer Erwerbsbiografie. ([deutsche-rentenversicherung.de](https://www.deutsche-rentenversicherung.de/Westfalen/DE/Presse/Pressemitteilungen_neu/vv-08-12-2025-muenster-pressemitteilung_2.html)) ## Klare Einordnung Die Forderung nach einer pauschalen Rente mit 75 wirkt vor allem deshalb realitätsfern, weil sie so tut, als sei Arbeit bis ins hohe Alter für alle ähnlich machbar. Das stimmt nicht. Wer geistig oder organisatorisch arbeitet, kann oft länger durchhalten; wer den Körper jahrzehntelang als Hauptwerkzeug nutzt, zahlt meist früher den Preis. ([bundesregierung.de](https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/rede-von-bundeskanzler-scholz-beim-75-jahrestag-der-gruendung-des-sozialverbands-vdk-deutschland-e-v-am-29-januar-2025-in-berlin-2332816)) **Wenn man das Rentenalter überhaupt weiter anheben will, dann nur mit harten Ausnahmen für Schwerarbeit. Ohne solche Ausnahmen wäre das sozial nicht neutral, sondern eine verdeckte Kürzung zulasten derjenigen, die körperlich am meisten geleistet haben.** ([bundesregierung.de](https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/rede-von-bundeskanzler-scholz-beim-75-jahrestag-der-gruendung-des-sozialverbands-vdk-deutschland-e-v-am-29-januar-2025-in-berlin-2332816))