Wie naiv ist Bundeskanzler Merz, wenn er glaubt, durch ein Cannabis-Verbot Schwarzmarkt und Konsum zu beenden?
Antwort vomDie Annahme, man könne durch ein reines Cannabis‑Verbot Schwarzmarkt und Konsum „beenden“, ist politisch ziemlich naiv – nicht als Beleidigung, sondern weil sie der empirischen Logik von Drogenmärkten widerspricht: 1) **Nachfrage verschwindet nicht durch ein Verbot.** Ein Verbot kann Konsum dämpfen oder verlagern, aber bei einer bereits etablierten Konsumentengruppe bleibt ein erheblicher Teil der Nachfrage bestehen – und wird dann **illegal** bedient. 2) **Ein Verbot stärkt typischerweise den Schwarzmarkt.** Wenn legale Bezugswege wegfallen, steigt die Attraktivität illegaler Anbieter: keine Alterskontrollen, keine Qualitätsstandards, oft aggressiverer Vertrieb. Das kann Risiken (Streckmittel, hohe THC‑Gehalte, synthetische Cannabinoide) sogar erhöhen. 3) **Durchsetzung ist begrenzt skalierbar.** Um Konsum und Handel wirklich stark zu drücken, bräuchte es dauerhaft sehr hohe Kontrolldichte, Ermittlungsressourcen und Strafverfolgung. Das ist teuer, bindet Polizei/Justiz und führt häufig zu Ausweichbewegungen (andere Orte, andere Vertriebsformen). 4) **Verbotspolitik erzeugt Nebenwirkungen.** Kriminalisierung trifft vor allem Gelegenheitskonsumenten und kleine Delikte, während organisierte Strukturen flexibel bleiben. Gleichzeitig sinkt die Bereitschaft, Hilfe zu suchen (Prävention/Behandlung), wenn Angst vor Sanktionen besteht. 5) **„Beenden“ ist ein unrealistischer Maßstab.** Realistisch sind nur Zielkonflikte: weniger Konsum bei Jugendlichen, weniger problematischer Konsum, weniger organisierte Kriminalität, weniger Gesundheitsrisiken. Ein pauschales Verbot löst diese Ziele nicht automatisch – teils verschiebt es sie. Unterm Strich: **Ein Verbot kann den legalen Markt beenden, aber nicht automatisch den Konsum – und sehr wahrscheinlich nicht den Schwarzmarkt.** Wer das als einfache Kausalität verkauft („Verbot rein = Problem weg“), unterschätzt, wie stabil Nachfrage und wie anpassungsfähig illegale Märkte sind.