Wie bewertete Helmut Schmidt die Friedensbewegung?

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**Helmut Schmidt bewertete die Friedensbewegung nicht als eigentliche Friedenskraft, sondern vor allem als politisch naiv, sicherheitspolitisch einseitig und im Ergebnis gefährlich, weil sie aus seiner Sicht die sowjetische Aufrüstung ausblendete und damit das militärische Gleichgewicht in Europa schwächte.** Schmidt wollte Abrüstung, aber nicht um den Preis einseitiger westlicher Schwäche. ([bpb.de](https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/archiv/533388/fahrplan-zur-abruestung-zur-doppelbeschluss-politik-der-bundesrepublik-deutschland-bis-1983/)) ## Entscheidend ist der Unterschied Schmidt war **nicht gegen Frieden oder Abrüstung**. Das ist der Punkt, den viele verkürzt darstellen. Sein eigentliches Ziel war, Mittelstreckenwaffen überhaupt erst in die Rüstungskontrolle zu bekommen. Genau daraus entstand seine Unterstützung für den NATO-Doppelbeschluss: Verhandeln, aber notfalls auch nachrüsten. ([bpb.de](https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/archiv/533388/fahrplan-zur-abruestung-zur-doppelbeschluss-politik-der-bundesrepublik-deutschland-bis-1983/)) Die Friedensbewegung sah er deshalb kritisch, weil sie aus seiner Perspektive oft so tat, als gehe die Gefahr vor allem von der westlichen Nachrüstung aus. Für Schmidt lag das Problem aber vorher: in der sowjetischen SS-20-Aufrüstung und in einer strategischen Lücke zulasten Westeuropas. ([bpb.de](https://www.bpb.de/kurz-knapp/taegliche-dosis-politik/557523/vor-45-jahren-nato-doppelbeschluss/)) ## Seine Bewertung in der Praxis Politisch bedeutete das: Schmidt hielt große Teile der Friedensbewegung für **moralisch verständlich, aber strategisch falsch**. Seine Logik war ziemlich hart und klar: Wer nur gegen NATO-Raketen demonstriert, aber die sowjetische Bedrohung nicht gleich ernst nimmt, arbeitet nicht für stabilen Frieden, sondern untergräbt Abschreckung und damit die Voraussetzung für ernsthafte Abrüstungsgespräche. Diese Einordnung ist eine Schlussfolgerung aus seiner Doppelbeschluss-Politik und den zeitgenössischen Beschreibungen seiner Position. ([bpb.de](https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/archiv/533388/fahrplan-zur-abruestung-zur-doppelbeschluss-politik-der-bundesrepublik-deutschland-bis-1983/)) ## Der oft übersehene Punkt Der interessante Unterschied zu vielen Standarddarstellungen ist: Schmidt stand **zwischen den Lagern**. Er war kein bloßer „Nachrüster“, sondern wollte gerade durch glaubwürdige Stärke Verhandlungen erzwingen. Darum war seine Kritik an der Friedensbewegung nicht, dass sie Frieden wollte, sondern dass sie nach seiner Auffassung **den falschen Hebel** ansetzte. Erst das Zusammenspiel aus Druck und Verhandlung führte später zum INF-Vertrag von 1987. ([bpb.de](https://www.bpb.de/kurz-knapp/taegliche-dosis-politik/557523/vor-45-jahren-nato-doppelbeschluss/)) Kurz gesagt: **Schmidt hielt die Friedensbewegung für gut gemeint, aber sicherheitspolitisch irreführend.**

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