Wie entstand der EU-Fonds Border Management and Visa Instrument (BMVI) und was ist sein politischer Kontext?

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## Klare Antwort Der BMVI entstand nicht einfach als technischer Fördertopf, sondern als politische Reaktion auf die Migrationskrise ab 2015, die Sicherheitsdebatten im Schengen-Raum und den Druck, die EU-Außengrenzen stärker zu kontrollieren, ohne die Freizügigkeit im Inneren aufzugeben. Genau daraus folgt sein Kern: mehr Geld, mehr EU-Steuerung und eine engere Verknüpfung von Grenzschutz, Visa-Politik und digitalen Kontrollsystemen. ([eur-lex.europa.eu](https://eur-lex.europa.eu/EN/legal-content/summary/financial-support-for-border-management-and-visa-policy.html)) ## Politischer Kontext Der zentrale politische Hintergrund war ein doppeltes Problem: Einerseits wollte die EU nach 2015 irreguläre Migration und grenzüberschreitende Sicherheitsrisiken besser steuern, andererseits durfte der Schengen-Raum nicht dauerhaft durch Binnengrenzkontrollen ausgehöhlt werden. In den EU-Dokumenten wird deshalb der Schutz der Außengrenzen ausdrücklich als Voraussetzung für ein funktionierendes Schengen ohne Kontrollen im Inneren beschrieben. ([oeil.europarl.europa.eu](https://oeil.europarl.europa.eu/oeil/en/document-summary?id=1539241)) Hinzu kam ein institutioneller Wandel: Grenzmanagement wurde nicht mehr nur als nationale Aufgabe gesehen, sondern als „europäisch integriertes Grenzmanagement“ mit geteilter Verantwortung zwischen Mitgliedstaaten und der Europäischen Grenz- und Küstenwache. Der BMVI ist genau das Finanzinstrument, das diese politische Verschiebung praktisch absichern soll. ([eur-lex.europa.eu](https://eur-lex.europa.eu/EN/legal-content/summary/financial-support-for-border-management-and-visa-policy.html)) Wichtig ist dabei ein häufig übersehener Punkt: Der Fonds ist nicht nur ein Grenzzaun-Budget. Er finanziert auch die gemeinsame Visapolitik, Konsulate, IT-Systeme und die Digitalisierung von Visaverfahren. Politisch bedeutet das: Die EU verlagert Kontrolle nicht nur an die physische Grenze, sondern schon in die Vorfeldkontrolle über Visa, Datenbanken und Risikoanalyse. Das ist einer der entscheidenden Unterschiede zu älteren, oberflächlich beschriebenen Darstellungen. ([oeil.europarl.europa.eu](https://oeil.europarl.europa.eu/oeil/en/document-summary?id=1539241)) ## Entstehung des BMVI Der BMVI wurde von der Kommission am 13. Juni 2018 für den Mehrjährigen Finanzrahmen 2021–2027 vorgeschlagen. Er wurde anschließend im ordentlichen Gesetzgebungsverfahren verhandelt; der LIBE-Ausschuss des Europäischen Parlaments bestätigte die politische Einigung am 1. März 2021. Die Rechtsgrundlage ist die Verordnung (EU) 2021/1148, die seit dem 1. Januar 2021 gilt; verabschiedet wurde sie am 7. Juli 2021. ([eur-lex.europa.eu](https://eur-lex.europa.eu/legal-content/EN/TXT/?uri=CELEX%3A52021AG0029%2802%29)) Inhaltlich ersetzte der BMVI den früheren Fonds „Internal Security Fund – Borders and Visa“ aus der Periode 2014–2020. Der Wechsel war politisch mehr als eine Umbenennung: Die EU bündelte das Thema nun im neuen „Integrated Border Management Fund“ und gab ihm ein deutlich stärkeres strategisches Profil. Statt bloßer Kofinanzierung einzelner Maßnahmen sollte das Instrument gezielt europäische Prioritäten, Krisenreaktionen und interoperable IT-Infrastruktur finanzieren. ([home-affairs.ec.europa.eu](https://home-affairs.ec.europa.eu/funding/borders-and-visa-funds_en?prefLang=pl)) Ein besonders aufschlussreicher Punkt ist die geplante Mittelausweitung. In den Parlamentsunterlagen zur Entstehung wird für das neue Grenzmanagement-Finanzierungsfeld eine massive Aufstockung gegenüber der vorherigen Finanzperiode beschrieben. Das zeigt klar: Die EU hat Grenz- und Visapolitik nach 2015 nicht als Randthema, sondern als haushaltspolitische Priorität neu definiert. ([oeil.europarl.europa.eu](https://oeil.europarl.europa.eu/oeil/en/document-summary?id=1539241)) ## Was der Fonds politisch leisten soll Der BMVI soll laut Verordnung starke und wirksame Kontrolle der Außengrenzen, ein hohes Maß an innerer Sicherheit und zugleich die Freizügigkeit innerhalb der EU sichern. Seine zwei spezifischen Ziele sind erstens das integrierte Grenzmanagement an den Außengrenzen und zweitens die Unterstützung der gemeinsamen Visapolitik. ([eur-lex.europa.eu](https://eur-lex.europa.eu/EN/legal-content/summary/financial-support-for-border-management-and-visa-policy.html)) Praktisch finanziert er damit nicht nur Personal, Ausrüstung oder Infrastruktur, sondern auch große IT-Systeme, Visa-Digitalisierung, Konsularstrukturen und Maßnahmen mit „europäischer Dimension“. Genau darin liegt seine politische Funktion: Der BMVI macht aus Grenzschutz ein dauerhaft europäisiertes Steuerungsfeld, nicht nur eine Summe nationaler Einzelmaßnahmen. ([eur-lex.europa.eu](https://eur-lex.europa.eu/legal-content/en/AUTO/?uri=CELEX%3A32021R1148)) ## Einordnung Die treffendste Einordnung lautet deshalb: Der BMVI ist ein Produkt der Post-2015-Schengenpolitik. Sein Zweck ist nicht nur, Grenzen besser zu bewachen, sondern Schengen politisch zu stabilisieren, indem Kontrolle an die Außengrenze, in Konsulate und in digitale Systeme verlagert wird. Wer den BMVI nur als Sicherheitsfonds beschreibt, greift zu kurz; er ist zugleich ein Integrationsinstrument, weil er die Freizügigkeit im Inneren durch stärkere gemeinsame Kontrolle nach außen absichern soll. ([oeil.europarl.europa.eu](https://oeil.europarl.europa.eu/oeil/en/document-summary?id=1539241))

Kategorie: Politik Tags: BMVI Grenzschutz Visa