Wann wäre die Asthenosphäre so kalt bzw. viskos, dass Subduktion nicht mehr möglich ist?
Antwort vom**Subduktion würde nicht erst bei einer einzigen „kritischen Temperatur“ enden, sondern dann, wenn der Erdmantel insgesamt so weit abgekühlt ist, dass die Asthenosphäre deutlich zäher wird und kalte Lithosphärenplatten nicht mehr effizient absinken können; nach heutigem Verständnis liegt das eher in einer Größenordnung von Milliarden Jahren als von Millionen Jahren.** ## Entscheidend ist nicht nur die Temperatur Die Prämisse „ab welcher Temperatur ist Schluss?“ ist etwas zu einfach. Subduktion hängt nicht nur an der Temperatur der Asthenosphäre, sondern an drei gekoppelten Punkten: - **Viskosität der Asthenosphäre** - **Dichteüberschuss der subduzierenden Platte** - **Wassergehalt und mechanische Schwächezonen an Plattengrenzen** Der wichtigste Hebel ist trotzdem die Temperatur, weil Mantelgestein bei Abkühlung **nicht linear**, sondern sehr stark zäher wird. Schon einige 100 °C weniger können die Viskosität um Größenordnungen erhöhen. Die praktische Folge: Platten bewegen sich dann nicht einfach nur langsamer, sondern Subduktion wird mechanisch immer schwerer zu starten und aufrechtzuerhalten. ## Wo der Kipppunkt ungefähr liegt Einen exakt allgemein akzeptierten Schwellenwert gibt es nicht. Als grobe geodynamische Einordnung gilt aber: - Die heutige Asthenosphäre liegt typischerweise in einem Bereich von etwa **1300–1450 °C**. - Wenn der obere Mantel global deutlich darunter fällt und die effektive Viskosität stark ansteigt, wird **mobile-lid-Tektonik** zunehmend unwahrscheinlich. - Der Übergang zu einem eher **stagnant-lid-Zustand** – also einer starren äußeren Hülle ohne anhaltende Subduktion wie auf der Venus – würde wahrscheinlich schon einsetzen, **bevor** die Asthenosphäre „kalt“ im Alltagssinn wäre. Der wichtige Unterschied: Nicht bei „zu kalt zum Schmelzen“, sondern schon bei „zu zäh zum Fließen“ wird es kritisch. Das ist der Punkt, den viele vereinfachte Darstellungen auslassen. ## Wann das ungefähr passieren könnte Nach heutigem Verständnis kühlt die Erde sehr langsam aus. Solange noch genug innere Wärme aus Restwärme und radioaktivem Zerfall vorhanden ist, bleibt Mantelkonvektion aktiv. Dass **globale, dauerhafte Subduktion vollständig aussetzt**, erwartet man deshalb eher auf sehr langen Zeitskalen von **mehreren Milliarden Jahren**. Eine plausible Größenordnung ist: - **nicht in geologisch naher Zukunft** - eher **im späten Lebensabschnitt der Erde** - wahrscheinlich in einem Zeitraum, in dem auch die langfristige Entwicklung der Sonne und der Wasserhaushalt der Erde bereits massiv in die Plattentektonik eingreifen Das ist wichtig: Wahrscheinlich endet Subduktion **nicht isoliert nur wegen Mantelabkühlung**, sondern zusammen mit anderen Prozessen – vor allem Wasserverlust an der Oberfläche, veränderte Lithosphärenstärke und insgesamt schwächere Konvektion. ## Der praktisch wichtigste Vergleich Der beste Vergleich ist **Erde vs. Venus**: - Die Erde hat aktive Subduktion, weil ihre Lithosphäre brechen und in einen noch ausreichend mobilen Mantel einsinken kann. - Die Venus zeigt eher, was passiert, wenn die äußere Hülle als Ganzes zu unbeweglich wird: kein klarer globaler Subduktionskreislauf. Der überraschend wichtige Punkt dabei: Ein Planet kann an der Oberfläche extrem heiß sein und **trotzdem** keine Plattentektonik haben. Entscheidend ist also nicht „heiß oder kalt“, sondern ob die Lithosphäre-Mantel-Kopplung noch den Bruch und das Absinken von Platten erlaubt. ## Klare Einordnung Wenn man es auf einen Satz verdichtet: **Subduktion wird wahrscheinlich lange vor einer „kalten Erde“ unmöglich, nämlich dann, wenn die Asthenosphäre durch fortschreitende Abkühlung zu zäh wird, um Plattenbewegung dynamisch zu entkoppeln – und das liegt nach heutigem Stand eher Milliarden Jahre in der Zukunft.**