Die Frage „Was ist das Gute?“ wird in den drei Ansätzen unterschiedlich beantwortet—je nachdem, ob der Maßstab **Charakter**, **Pflicht** oder **Folgen** sind: ## 1) Tugendethik (Aristoteles-Tradition): Das Gute als gelingendes Leben durch Tugenden - **Kernidee:** Gut ist, was zur **Eudaimonia** (gelingendes, erfülltes Leben) beiträgt. - **Maßstab:** Nicht primär einzelne Handlungen, sondern der **Charakter**: Ein Mensch handelt gut, wenn er **tugendhaft** ist. - **Wie erkennt man das Gute?** Durch **Tugenden** (z. B. Gerechtigkeit, Besonnenheit, Tapferkeit) und die **goldene Mitte** zwischen Extremen (z. B. Tapferkeit zwischen Feigheit und Tollkühnheit). - **Antwort auf die Frage:** „Das Gute“ ist das, was ein tugendhafter Mensch aus praktischer Klugheit heraus tun würde und was ein gelingendes Leben fördert. ## 2) Pflichtenethik nach Kant: Das Gute als Handeln aus Pflicht nach dem moralischen Gesetz - **Kernidee:** Gut ist nicht das Ergebnis, sondern der **gute Wille**—also Handeln **aus Pflicht**. - **Maßstab:** Der **kategorische Imperativ** (u. a.): - **Universalisierung:** Handle nur nach der Maxime, die du zugleich als allgemeines Gesetz wollen kannst. - **Menschenwürde/Zweck-an-sich:** Behandle Menschen niemals bloß als Mittel, sondern immer auch als Zweck. - **Wie erkennt man das Gute?** Durch Prüfung der **Maxime**: Ist sie widerspruchsfrei verallgemeinerbar und achtet sie die Würde rationaler Wesen? - **Antwort auf die Frage:** „Das Gute“ ist das, was aus Achtung vor dem moralischen Gesetz geschieht und die Autonomie/Würde von Personen respektiert—unabhängig davon, ob es nützt. ## 3) Folgenethik nach Bentham (Utilitarismus): Das Gute als größtmögliches Glück - **Kernidee:** Gut ist, was **Nutzen** stiftet, verstanden als **Lust/Glück** und Abwesenheit von Leid. - **Maßstab:** **Prinzip des größten Glücks**: moralisch richtig ist, was das **Gesamtglück** (für alle Betroffenen) maximiert. - **Wie erkennt man das Gute?** Durch Abwägung der Folgen; Bentham schlägt dafür ein **hedonistisches Kalkül** vor (u. a. Intensität, Dauer, Wahrscheinlichkeit, Nähe/Ferne, Folgewirkungen, Reinheit, Ausmaß). - **Antwort auf die Frage:** „Das Gute“ ist das, was in der Summe die besten Konsequenzen hat—also das meiste Glück bzw. das geringste Leid für die größtmögliche Zahl. ## Kurzvergleich als direkte Antwort - **Tugendethik:** Gut = Ausdruck eines guten Charakters, der ein gelingendes Leben ermöglicht. - **Kant:** Gut = Handeln aus Pflicht nach einem universalisierbaren Gesetz, das Personen als Zwecke achtet. - **Bentham:** Gut = das, was die Bilanz aus Glück/Lust gegenüber Leid maximiert.