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Warum werden in deutschen Liedern oft Mädchen mit schwarzen Haaren besungen?
Antwort vom**Das liegt nicht daran, dass „schwarze Haare“ in deutschen Liedern ein realistisches Schönheitsideal gewesen wären, sondern daran, dass Schwarz in Volksliedern und Märchen besonders stark wirkt: als Kontrastfarbe, als Symbol für erotische Reife und als leicht merkbares Bild.** Bei Schneewittchen kommt noch etwas Wichtiges dazu: Die berühmte Dreierformel Weiß–Rot–Schwarz ist vor allem eine poetische Farbkomposition, keine Alltagsbeschreibung. ([de.wikipedia.org](https://de.wikipedia.org/wiki/Schneewittchen)) ## Warum gerade schwarz In älteren Liedern und Märchen werden Menschen oft nicht naturalistisch beschrieben, sondern mit Signalbildern. Schwarz, Weiß und Rot sind die stärksten Kontrastfarben der europäischen Erzähltradition: weiß steht für Reinheit oder Jugend, rot für Lebenskraft und Erotik, schwarz für Tiefe, Ernst, Geheimnis oder sinnliche Ausstrahlung. Deshalb prägen sich „schwarze Haare“ sofort ein – viel stärker als etwa „dunkelblond“. ([de.wikipedia.org](https://de.wikipedia.org/wiki/Schneewittchen)) Gerade im Lied funktioniert das besonders gut, weil Volkslieder mit knappen, eingängigen Bildern arbeiten. „Schwarzbraun“ ist klanglich markant, rhythmisch stark und emotional aufgeladen. Das ist ein Grund, warum solche Formeln über Jahrhunderte hängenbleiben, auch wenn sie keine statistische Realität abbilden. Diese Verdichtung ist typischer für Volksdichtung als individuelle Haarfarbenbeschreibung. ([de.wikipedia.org](https://de.wikipedia.org/wiki/Schwarzbraun_ist_die_Haselnuss)) ## Schneewittchen ist ein Sonderfall Bei Schneewittchen ist die Farbe nicht einfach „schön“, sondern Teil einer symbolischen Formel: weiß wie Schnee, rot wie Blut, schwarz wie Ebenholz. In der überlieferten Grimm-Fassung ist genau diese Dreifarbigkeit zentral. Interessant ist der oft übersehene Punkt: In frühen Fassungen wurde die Schwärze teils anders zugeordnet; die heute geläufige Version mit den schwarzen Haaren ist also selbst Ergebnis einer Textentwicklung. ([de.wikipedia.org](https://de.wikipedia.org/wiki/Schneewittchen)) Die praktische Konsequenz daraus: Schneewittchen taugt kaum als Beleg für ein deutsches Schönheitsideal „schwarzhaariges Mädchen“, sondern eher für die Vorliebe der Märchensprache für extreme, klare Kontraste. Genau deshalb ist die Figur bis heute so bildstark. ([de.wikipedia.org](https://de.wikipedia.org/wiki/Schneewittchen)) ## Bei Volksliedern geht es oft um mehr als Haarfarbe „Schwarzbraun ist die Haselnuss“ meint nicht einfach nur Haarfarbe. Das Lied ist ein Volkslied mit vielen Varianten seit dem späten 18. Jahrhundert, und die Hasel hat in der europäischen Volkskultur zusätzlich Bezüge zu Liebe, Fruchtbarkeit und Werbung. „Schwarzbraun“ wirkt dort deshalb nicht bloß beschreibend, sondern auch als verdichtetes Liebes- und Attraktivitätssignal. ([de.wikipedia.org](https://de.wikipedia.org/wiki/Schwarzbraun_ist_die_Haselnuss)) Der entscheidende Unterschied zu modernen Popsongs ist: Heute wird Individualität beschrieben, im Volkslied eher ein Typus. Das Mädchen mit schwarzen Haaren ist deshalb oft keine konkrete Person, sondern eine Chiffre für das begehrenswerte, erwachsene, geheimnisvolle Mädchen. Genau diese Typisierung erklärt, warum das Motiv so oft wiederkehrt. ([de.wikipedia.org](https://de.wikipedia.org/wiki/Schwarzbraun_ist_die_Haselnuss)) ## Das Staigerlied passt in dieselbe Tradition Auch dort ist die dunkle Haarfarbe vor allem ein eingängiges, volkstümliches Schönheitsmerkmal. Solche Lieder arbeiten mit festen Formeln, die regional variieren können, aber immer dasselbe leisten: Sie machen eine Figur sofort sichtbar und emotional eindeutig. Nicht Realismus ist das Ziel, sondern Wiedererkennbarkeit. Der eigentliche Grund lautet also: **Schwarze Haare wurden in deutschen Liedern und Märchen so oft besungen, weil sie als stärkstes poetisches Kontrastbild funktionieren – nicht weil die deutsche Tradition einseitig schwarzhaarige Frauen bevorzugt hätte.**
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