Welches Beruhigungsmittel kann ein Psychiater verschreiben?

Antwort vom

**Ein Psychiater verschreibt nicht „das beste Beruhigungsmittel“, sondern das am besten passende – und für akute starke Unruhe sind meist Benzodiazepine wirksam, aber gerade wegen Abhängigkeits-, Sturz- und Atemdepressionsrisiko nur kurzzeitig sinnvoll.** Die deutsche S3-Leitlinie zu Angststörungen beschreibt Benzodiazepine als wirksam, empfiehlt sie aber nur in begründeten Ausnahmefällen bzw. kurzfristig; das BfArM warnt zusätzlich besonders vor der Kombination mit Opioiden. ([register.awmf.org](https://register.awmf.org/assets/guidelines/051-028l_S3_Behandlung-von-Angststoerungen_2021-06.pdf)) ## Was in der Praxis meist gemeint ist Wenn jemand „etwas zur Beruhigung“ braucht, kommen je nach Situation sehr unterschiedliche Medikamente infrage: - **Benzodiazepine** wie Lorazepam, Diazepam oder Oxazepam: wirken **schnell**, deshalb oft für akute Panik, massive Anspannung oder Krisensituationen. Der Nachteil ist entscheidend: **Gewöhnung und Abhängigkeit können schon bei kurzer regelmäßiger Einnahme zum Problem werden**. ([register.awmf.org](https://register.awmf.org/assets/guidelines/051-028l_S3_Behandlung-von-Angststoerungen_2021-06.pdf)) - **Sedierende Antihistaminika**: machen eher müde, sind aber nicht automatisch die bessere Langzeitlösung; auch sie haben Nebenwirkungen und sind nicht für jede psychiatrische Indikation die Standardwahl. ([bfarm.de](https://www.bfarm.de/SharedDocs/Risikoinformationen/Pharmakovigilanz/DE/RI/2012/RI-antihistaminika.html?nn=702360)) - **Antidepressiva** wie SSRI/SNRI: sie beruhigen **nicht sofort**, sind aber bei Angststörungen oft die sinnvollere Dauerbehandlung, weil sie nicht das gleiche Abhängigkeitspotenzial wie Benzodiazepine haben. Das ist der wichtigste Unterschied, den viele übersehen. ([register.awmf.org](https://register.awmf.org/assets/guidelines/051-028l_S3_Behandlung-von-Angststoerungen_2021-06.pdf)) ## Was „am besten“ wirklich bedeutet „Am besten“ heißt hier nicht: stärkste Wirkung. Es heißt: - **schnell genug** - **für deine Ursache passend** - **mit vertretbarem Risiko** - **nicht problematisch mit anderen Medikamenten, Alkohol oder Vorerkrankungen** Ein Beispiel: Für eine einzelne akute Panikattacke kann ein Benzodiazepin sinnvoller sein als ein Antidepressivum, weil es rasch wirkt. Für wiederkehrende Angst über Wochen ist genau dieses Mittel oft **nicht** die beste Wahl, weil das kurzfristig hilfreiche Medikament langfristig neue Probleme schaffen kann. Diese praktische Unterscheidung fehlt in vielen pauschalen Antworten. ([register.awmf.org](https://register.awmf.org/assets/guidelines/051-028l_S3_Behandlung-von-Angststoerungen_2021-06.pdf)) ## Klare Einordnung Die fachlich ehrlichste Antwort lautet: **Für sofortige Beruhigung sind Benzodiazepine oft am wirksamsten; für eine längerfristig gute Behandlung sind sie häufig gerade nicht die beste Lösung.** Das ist der zentrale Unterschied zwischen **akuter Sedierung** und **sinnvoller psychiatrischer Therapie**. ([register.awmf.org](https://register.awmf.org/assets/guidelines/051-028l_S3_Behandlung-von-Angststoerungen_2021-06.pdf)) Wenn zusätzlich Opioide, Alkohol, Schlafmittel, höheres Alter oder Atemprobleme im Spiel sind, steigt das Risiko deutlich. Dann ist „stark beruhigend“ nicht besser, sondern potenziell gefährlich. ([bfarm.de](https://www.bfarm.de/SharedDocs/Risikoinformationen/Pharmakovigilanz/DE/RI/2018/RI-benzodiazepin-opium.html))