Wann ist bei einer Pankreaskopfresektion die Entfernung der kompletten Bauchspeicheldrüse notwendig?
Antwort vomBei einer **Pankreaskopfresektion** (meist Whipple-OP) wird die **komplette Entfernung der Bauchspeicheldrüse** (Totale Pankreatektomie) nur dann notwendig bzw. sinnvoll, wenn ein **sicherer, tumorfreier Resektionsrand (R0)** oder eine **sichere Rekonstruktion** sonst nicht erreichbar ist. Typische Situationen sind: - **Ausgedehnte Tumorausbreitung über den Pankreaskopf hinaus** in den **Pankreaskörper/-schwanz** (multifokal oder „lange“ Ausdehnung im Gangsystem), sodass eine Teilresektion den Tumor nicht vollständig entfernen würde. - **Diffuse oder multifokale Vorstufen/Frühformen** (z. B. bestimmte **IPMN**-Konstellationen mit Befall großer Gangabschnitte oder multifokalen Läsionen), bei denen eine begrenzte Resektion ein hohes Rest-/Rezidivrisiko lässt. - **Intraoperativ positiver Schnittrand** am Pankreas (z. B. am Absetzungsrand Richtung Körper) trotz Nachresektion, sodass nur durch Erweiterung bis zur Totalresektion ein R0 erreichbar ist. - **Schwere, nicht beherrschbare Komplikationen** im OP-Verlauf oder als „Rettungsstrategie“, z. B. wenn eine sichere Pankreas-Anastomose nicht möglich ist oder bei **unkontrollierbarer Blutung/Gewebeschädigung**. - **Seltene Sonderfälle** wie eine Kombination aus Tumor und **ausgeprägter chronischer Pankreatitis** mit sehr schlechtem, brüchigem Gewebe, bei der die Rekonstruktion extrem risikoreich wäre (Entscheidung stark einzelfallabhängig). Wichtig: Eine Totale Pankreatektomie hat erhebliche Folgen (u. a. **dauerhafter insulinpflichtiger Diabetes** und **lebenslange Enzymsubstitution**) und wird deshalb nur gewählt, wenn der Nutzen (v. a. onkologische Radikalität oder Sicherheit) die Nachteile klar überwiegt.