Kann man den Augendruck palpatorisch ertasten?
Antwort vom**Nein – einen erhöhten Augeninnendruck kann man palpatorisch höchstens sehr grob abschätzen, aber nicht zuverlässig „ertasten“. Für eine brauchbare Beurteilung braucht es eine Messung mit Tonometrie.** Mit den Fingern lässt sich nur erkennen, ob ein Augapfel extrem hart oder ungewöhnlich weich ist. Das funktioniert zudem nur bei geschlossenem Lid und sehr vorsichtig – und selbst dann ist das Ergebnis subjektiv. Normale, leicht erhöhte und teils auch deutlich pathologische Druckwerte lassen sich so nicht sicher unterscheiden. ## Was Palpation überhaupt leisten kann Früher wurde der Bulbusdruck manchmal grob verglichen, indem man beide geschlossenen Augenlider sehr vorsichtig abtastet. Das kann in Ausnahmefällen einen Hinweis geben, etwa wenn ein Auge im Vergleich zum anderen auffällig „steinhart“ wirkt. Für die Diagnose eines Glaukoms oder die Verlaufskontrolle taugt das aber nicht. Der praktische Punkt ist: Gerade die klinisch wichtigen Unterschiede liegen oft in einem Bereich, den man mit dem Finger nicht verlässlich erkennt. Deshalb ersetzt Tasten keine Messung. ## Wann es gefährlich wird Wenn zusätzlich starke Augenschmerzen, plötzliches schlechtes Sehen, Regenbogenringe um Lichtquellen, gerötetes Auge, Übelkeit oder Kopfschmerzen dazukommen, ist ein akut erhöhter Augeninnendruck möglich und das muss sofort augenärztlich abgeklärt werden. Dann zählt Zeit, weil der Sehnerv Schaden nehmen kann. ## Wichtiger Irrtum Viele denken: „Wenn das Auge nicht hart wirkt, ist der Druck normal.“ Das ist falsch. Auch ein behandlungsbedürftig erhöhter Augeninnendruck kann palpatorisch unauffällig sein. ## Kurz gesagt Palpation ist nur eine sehr grobe Notlösung, keine verlässliche Methode. Wenn es um den Augeninnendruck geht, ist nur die instrumentelle Messung wirklich aussagekräftig.