Wie begründet Lauterbach seine Empfehlung an Alzheimer-Gefährdete zu mehr Fleischkonsum?

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**Lauterbach begründet das mit einer neuen Beobachtungsstudie: Bei Menschen mit dem Alzheimer-Risikogen APOE4 war höherer Konsum von unverarbeitetem rotem Fleisch statistisch mit weniger Demenzfällen verbunden; daraus leitete er ab, dass mehr Fleisch für genetisch Gefährdete schützend wirken könne. Das ist aber keine belastbare Ernährungsempfehlung, weil die Studie keinen Ursache-Wirkung-Nachweis liefert.** ([jamanetwork.com](https://jamanetwork.com/journals/jamanetworkopen/fullarticle/2846712)) Entscheidend ist der Unterschied zwischen **„war verbunden mit“** und **„schützt“**: Die JAMA-Studie fand bei APOE4-Trägern in der UK Biobank eine inverse Assoziation, konkret eine Hazard Ratio von 0,64 pro 50 g/Tag mehr unverarbeitetem rotem Fleisch; bei Nichtträgern zeigte sich kein entsprechender Effekt. Das ist interessant, aber es beweist nicht, dass Fleisch der Grund für das niedrigere Risiko war. ([jamanetwork.com](https://jamanetwork.com/journals/jamanetworkopen/fullarticle/2846712)) ## Warum seine Begründung angreifbar ist Die Studie ist **beobachtend**. Solche Daten können Zusammenhänge zeigen, aber nicht sicher klären, ob Fleisch selbst schützt oder ob andere Faktoren mitlaufen, etwa allgemeiner Gesundheitszustand, Ernährungsstil, soziale Unterschiede oder Messfehler bei der Ernährungserfassung. Genau darauf weisen auch externe Einordnungen hin. ([sciencemediacentre.org](https://www.sciencemediacentre.org/expert-reaction-to-study-looking-at-meat-consumption-and-measures-of-cognitive-health-by-apoe-genotype-as-published-in-jama-network-open/)) Dazu kommt ein wichtiger Punkt, den viele Berichte verkürzen: Lauterbachs Zuspitzung mit „mehr als halbieren“ klingt nach einem riesigen Effekt, bezieht sich aber auf **relative Risiken**. Der praktische Unterschied im absoluten Risiko ist deutlich kleiner. Gerade das macht die Aussage für den Alltag schnell irreführend. ([focus.de](https://www.focus.de/gesundheit/ernaehrung/fleisch-gegen-demenz-experte-zerlegt-lauterbachs-segensreiche-wirkung_d3219ab8-c3ff-43a0-9f19-6d3f76c16e84.html?x-bf-placeholder=true)) ## Was daraus praktisch folgt Die saubere Antwort lautet deshalb: **Er stützt seine Empfehlung auf einen statistischen Zusammenhang bei APOE4-Trägern, nicht auf einen bewiesenen Nutzen von Fleisch.** Wer Alzheimer-gefährdet ist, sollte daraus **nicht** ableiten, jetzt gezielt deutlich mehr Fleisch zu essen. Dafür ist die Evidenz zu schwach, und andere Studien zeigen bei verarbeitetem rotem Fleisch sogar eher Nachteile für das Demenzrisiko. ([aaic.alz.org](https://aaic.alz.org/releases-2024/processed-red-meat-raises-risk-of-dementia.asp)) Der eigentliche Denkfehler ist also nicht die Studie selbst, sondern die **Umdeutung eines interessanten Signals in eine konkrete Verzehrempfehlung**.