Wenn eine Gesellschaft selbst bei lebenswichtigen Dingen reflexhaft „nicht finanzierbar“ sagt, ist das meist kein reines Geldproblem, sondern ein Prioritätenproblem: Dann werden Koste...
Werden Bürger ohne technisches Interesse und Verständnis gesellschaftlich als hinterwäldlerisch stigmatisiert?
Antwort vom**Nein. Wer wenig technisches Interesse hat, gilt nicht automatisch als „hinterwäldlerisch“ – gesellschaftlich problematisch wird es erst dort, wo fehlende Digitalkompetenz die Teilhabe an Arbeit, Verwaltung, Bildung und öffentlicher Kommunikation erschwert.** ([bpb.de](https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/digitale-gesellschaft-2022/505684/digitalwueste-deutschland/)) ## Worum es tatsächlich geht Die Frage ist etwas zugespitzt: In der Realität wird meist nicht „Technikdesinteresse“ stigmatisiert, sondern **digitale Unsicherheit oder geringe Medienkompetenz**. Das ist ein Unterschied. Jemand kann sich bewusst wenig für Technik interessieren und trotzdem im Alltag souverän handeln. Umgekehrt kann fehlende Kompetenz schnell als Rückständigkeit fehlgedeutet werden, obwohl oft eher Bildungs-, Alters-, Einkommens- oder Zugangsbarrieren dahinterstehen. ([bpb.de](https://www.bpb.de/dialog/netzdebatte/171701/digitale-spaltung-reproduktion-sozialer-ungleichheiten-im-internet)) ## Warum dieser Eindruck trotzdem entsteht Digitalisierung ist heute eng mit Selbstständigkeit verbunden: Behördengänge, Bewerbungen, Bankgeschäfte, Terminbuchungen oder politische Beteiligung laufen oft digital. Wer damit Schwierigkeiten hat, wirkt deshalb in manchen Milieus nicht nur „unmodern“, sondern vermeintlich auch weniger kompetent. Genau hier entsteht soziale Abwertung. Studien zur digitalen Spaltung zeigen, dass digitale Teilhabe in Deutschland ungleich verteilt ist und besonders mit Bildung, Alter und sozialer Lage zusammenhängt. ([bpb.de](https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/digitale-gesellschaft-2022/505684/digitalwueste-deutschland/)) Der entscheidende Punkt ist: **Das Problem liegt weniger im fehlenden Technik-Faible als in einer Gesellschaft, die Normalität zunehmend technisch definiert.** Dadurch wird aus einer persönlichen Präferenz schnell ein sozialer Nachteil. Das ist keine neutrale Entwicklung, sondern eine Form indirekter Ausgrenzung. ([bertelsmann-stiftung.de](https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/unsere-projekte/smart-country/projektnachrichten/digitale-kompetenz-in-deutschland-was-muss-sich-aendern)) ## Wichtiger Unterschied Nicht technikbegeistert zu sein ist völlig normal. Dauerhaft nicht in der Lage zu sein, digitale Grundanforderungen zu bewältigen, hat heute aber reale Folgen. Das ist der Kernunterschied, den viele Debatten vermischen. Typische Suchergebnisse reden oft allgemein über „digitale Spaltung“, aber zu selten darüber, dass daraus im Alltag auch **Statusurteile** entstehen: „altmodisch“, „abgehängt“, „nicht anschlussfähig“. Diese Etiketten sind sozial wirksam, auch wenn sie selten offen als „hinterwäldlerisch“ ausgesprochen werden. Die Stigmatisierung ist also meist **subtil**, nicht offen. ([bpb.de](https://www.bpb.de/dialog/netzdebatte/171701/digitale-spaltung-reproduktion-sozialer-ungleichheiten-im-internet)) ## Konkrete Einordnung Ein Bürger, der kein Interesse an Smart-Home, KI oder neuen Geräten hat, wird normalerweise nicht stigmatisiert. Ein Bürger, der kein Online-Formular ausfüllen, keine digitale Terminvergabe nutzen oder keine Zwei-Faktor-Anmeldung bewältigen kann, erlebt deutlich eher Abwertung oder Ausschluss. Genau deshalb ist die gesellschaftliche Frage nicht: „Muss jeder technikbegeistert sein?“, sondern: **Wie weit darf Teilhabe davon abhängen?** Die klare Antwort lautet daher: **Ja, in bestimmten Kontexten werden technikferne Menschen abgewertet – aber nicht wegen mangelnder Begeisterung, sondern weil digitale Kompetenz inzwischen als stiller Maßstab für Selbstständigkeit und Anschlussfähigkeit gilt.** ([bpb.de](https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/digitale-gesellschaft-2022/505684/digitalwueste-deutschland/))
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