Wenn eine Gesellschaft selbst bei lebenswichtigen Dingen reflexhaft „nicht finanzierbar“ sagt, ist das meist kein reines Geldproblem, sondern ein Prioritätenproblem: Dann werden Koste...
Ist eine Gesellschaft am Ende, wenn Geschäftsführer beliebt sind, obwohl sie Sozialabgaben einbehalten, nicht abführen und darüber lügen?
Antwort vomDas Verhalten, dass Geschäftsführer Sozialabgaben einbehalten, nicht abführen und darüber lügen, ist in jedem Fall rechtswidrig und moralisch verwerflich. Es handelt sich dabei um eine Straftat (Vorenthalten und Veruntreuen von Arbeitsentgelt, § 266a StGB). Wenn solches Verhalten gesellschaftlich akzeptiert oder sogar „gut gefunden“ wird, deutet das auf ernsthafte Probleme im ethischen und rechtlichen Werteverständnis einer Gesellschaft hin. Ob das bereits das „Endstadium“ einer Gesellschaft bedeutet, ist eine philosophische und soziologische Frage. Gesellschaften durchlaufen immer wieder Phasen von Korruption, Rechtsverfall und Vertrauensverlust in Institutionen. Ein solches Verhalten kann ein Symptom für eine tiefergehende Krise sein, etwa wenn Rechtsstaatlichkeit, Gemeinwohlorientierung und Solidarität an Bedeutung verlieren. Allerdings ist es selten so, dass eine gesamte Gesellschaft solche Taten gutheißt. Meist handelt es sich um einzelne Gruppen oder Milieus. Entscheidend ist, wie die Gesellschaft insgesamt – insbesondere Justiz, Politik und Öffentlichkeit – auf solche Missstände reagiert: Werden sie konsequent verfolgt und sanktioniert, oder werden sie toleriert und bagatellisiert Zusammengefasst: Solches Verhalten ist ein ernstes Warnsignal für gesellschaftliche Fehlentwicklungen, aber ob es das „Endstadium“ bedeutet, hängt davon ab, wie verbreitet und akzeptiert es tatsächlich ist und wie die Gesellschaft darauf reagiert.
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