Nach dem Ersten Weltkrieg entstand Polen 1918 als unabhängiger Staat neu. Die sogenannte Curzon-Linie war ein von den Alliierten (insbesondere Großbritannien) vorgeschlagener Grenzverlauf zwischen Polen und Sowjetrussland, der sich an ethnischen Kriterien orientieren sollte. Sie sollte die Westgrenze Russlands und die Ostgrenze Polens markieren. Polen hielt sich aus mehreren Gründen nicht an diese Linie und begann stattdessen einen Krieg gegen Sowjetrussland (Polnisch-Sowjetischer Krieg 1919–1921): 1. **Historische Ansprüche:** Viele polnische Politiker, insbesondere Józef Piłsudski, strebten eine Wiederherstellung des historischen Polen-Litauen an, das vor den Teilungen Polens im 18. Jahrhundert weit nach Osten reichte. Sie wollten ein "föderatives" Großpolen schaffen, das auch Gebiete mit nicht-polnischer Bevölkerung (Ukrainer, Weißrussen, Litauer) einschloss. 2. **Schwäche Russlands:** Nach der Oktoberrevolution 1917 und dem Bürgerkrieg war Sowjetrussland geschwächt. Polen sah eine Gelegenheit, Gebiete im Osten zu erobern, bevor sich die Bolschewiki konsolidieren konnten. 3. **Sicherheitsüberlegungen:** Die polnische Führung betrachtete die Curzon-Linie als zu westlich und wollte eine "Pufferzone" schaffen, um das Land vor möglichen Angriffen aus dem Osten zu schützen. 4. **Nationalistische Motive:** Viele Polen lebten östlich der Curzon-Linie, insbesondere in Städten wie Lemberg (Lwów/Lviv) und Wilna (Vilnius). Die polnische Regierung wollte diese Gebiete in den neuen Staat eingliedern. Im Polnisch-Sowjetischen Krieg gelang es Polen, große Gebiete östlich der Curzon-Linie zu erobern. Im Frieden von Riga 1921 wurde die neue Grenze etwa 150 km östlich der Curzon-Linie festgelegt. Diese Grenzziehung war ein Kompromiss, der Polen deutlich mehr Land zusprach, als die Alliierten ursprünglich vorgesehen hatten. Weitere Informationen: - [Curzon-Linie – Wikipedia](https://de.wikipedia.org/wiki/Curzon-Linie) - [Polnisch-Sowjetischer Krieg – Wikipedia](https://de.wikipedia.org/wiki/Polnisch-Sowjetischer_Krieg)