Wie wurden Kriegsdienstverweigerer in der Nazizeit behandelt?

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**Kriegsdienstverweigerer wurden in der NS-Zeit nicht als Gewissensentscheidende behandelt, sondern als Staatsfeinde verfolgt – oft mit Gefängnis, KZ-Haft oder dem Todesurteil.** Die praktische Konsequenz ist klar: Eine offene Verweigerung war im „Dritten Reich“ lebensgefährlich. ([bpb.de](https://www.bpb.de/themen/nationalsozialismus-zweiter-weltkrieg/dossier-nationalsozialismus/39563/verweigerung-im-alltag-und-widerstand-im-krieg/)) ## Wie das Regime vorging Der NS-Staat erkannte kein individuelles Recht auf Kriegsdienstverweigerung an. Wer den Wehrdienst ablehnte, Befehle verweigerte, desertierte oder den Krieg öffentlich kritisierte, fiel unter ein System aus Militärjustiz, Sonderstrafrecht und politischer Verfolgung. Besonders der Vorwurf der „Wehrkraftzersetzung“ diente dazu, abweichendes Verhalten extrem hart zu bestrafen. ([bpb.de](https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/archiv/534801/als-recht-zu-unrecht-wurde-zur-entwicklung-der-strafjustiz-im-nationalsozialismus/)) Das war mehr als normale Strafverfolgung. Die Wehrmachtsjustiz sollte abschrecken. Sie verhängte im Krieg massenhaft harte Urteile; allein gegen Deserteure, Kriegsdienstverweigerer und angebliche „Wehrkraftzersetzer“ wurden sehr viele Todesurteile ausgesprochen. ([deutschlandfunkkultur.de](https://www.deutschlandfunkkultur.de/deserteure-wehrkraftzersetzer-und-kriegsverraeter-100.html)) ## Wer besonders betroffen war Am stärksten traf es Menschen, die aus religiösen Gründen jede Teilnahme am Krieg ablehnten, vor allem Zeugen Jehovas. Sie verweigerten den Wehrdienst aus Glaubensgründen und wurden deshalb systematisch verfolgt; mehr als 250 von ihnen wurden hingerichtet. Viele weitere kamen in Haft oder Konzentrationslager. ([bundesarchiv.de](https://www.bundesarchiv.de/assets/bundesarchiv/de/Downloads/bstu_07-taetigkeitsbericht_2005.pdf)) Wichtig ist der Unterschied: Nicht jeder Verweigerer war politischer Widerstandskämpfer im engeren Sinn. Aber aus Sicht des Regimes spielte das oft kaum eine Rolle. Entscheidend war, dass die Person den totalen Gehorsam verweigerte – und genau das wertete der NS-Staat als Angriff auf Krieg und Herrschaft. ([bpb.de](https://www.bpb.de/themen/nationalsozialismus-zweiter-weltkrieg/dossier-nationalsozialismus/39563/verweigerung-im-alltag-und-widerstand-im-krieg/)) ## Was oft missverstanden wird Ein häufiger Irrtum ist, Kriegsdienstverweigerung sei damals einfach eine militärische Pflichtverletzung gewesen. Tatsächlich behandelte das Regime sie als ideologisches und politisches Delikt. Der Unterschied ist entscheidend: Es ging nicht nur um Disziplin, sondern um die Ausschaltung jeder Gewissensfreiheit. ([bpb.de](https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/archiv/534801/als-recht-zu-unrecht-wurde-zur-entwicklung-der-strafjustiz-im-nationalsozialismus/)) Ein weiterer wichtiger Punkt: Die Rehabilitierung kam sehr spät. Urteile der NS-Militärjustiz gegen Deserteure, Kriegsdienstverweigerer und „Wehrkraftzersetzer“ wurden in Deutschland erst Jahrzehnte nach dem Krieg aufgehoben. ([bpb.de](https://www.bpb.de/themen/militaer/deutsche-verteidigungspolitik/216758/kriegsdienstverweigerung-und-zivildienst/)) ## Klare Einordnung Die präziseste Antwort lautet deshalb: Während der Nazizeit wurde Kriegsdienstverweigerung brutal unterdrückt. Wer sich verweigerte, riskierte nicht nur Strafe, sondern oft sein Leben – besonders dann, wenn die Verweigerung öffentlich, religiös begründet oder als Beispiel für andere wirkte. ([bpb.de](https://www.bpb.de/themen/nationalsozialismus-zweiter-weltkrieg/dossier-nationalsozialismus/39563/verweigerung-im-alltag-und-widerstand-im-krieg/))