Hitlerputsch: Hintergrund, Verlauf, Folgen?

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**Der Hitlerputsch scheiterte zwar militärisch sofort, politisch war er aber ein Wendepunkt: Hitler erkannte danach, dass er die Weimarer Republik nicht per Straßenputsch, sondern über Wahlen, Propaganda und den legalen Machtweg zerstören musste.** ## Hintergrund Der Putsch vom **8./9. November 1923 in München** entstand nicht aus dem Nichts, sondern aus einer extremen Krisenlage der Weimarer Republik. 1923 trafen mehrere Erschütterungen zusammen: **Hyperinflation, Ruhrbesetzung, separatistische Unruhen und massive politische Radikalisierung**. In dieser Lage gewannen rechte wie linke Umsturzpläne an Zulauf. Bayern entwickelte sich zusätzlich zu einer Art Sammelpunkt der republikfeindlichen Rechten. ([dhm.de](https://www.dhm.de/lemo/kapitel/weimarer-republik/innenpolitik/hitler)) Hitler wollte diese Krise ausnutzen. Er führte die NSDAP und den „Deutschen Kampfbund“ und orientierte sich am Vorbild von Mussolinis „Marsch auf Rom“. Entscheidend ist: Hitler handelte nicht als starker Staatsmann, sondern aus der Sorge, von anderen rechten Kräften in Bayern politisch an den Rand gedrängt zu werden. Der Putsch war also auch ein Machtkampf innerhalb des rechten Lagers. ([dhm.de](https://www.dhm.de/lemo/kapitel/weimarer-republik/innenpolitik/hitler)) ## Verlauf Am Abend des **8. November 1923** stürmte Hitler mit bewaffneten Anhängern eine Versammlung im Münchner Bürgerbräukeller, in der der bayerische Generalstaatskommissar **Gustav von Kahr** sprach. Hitler erklärte die „nationale Revolution“, setzte die bayerische und die Reichsregierung für abgesetzt und versuchte, Kahr sowie weitere bayerische Spitzenvertreter auf seine Seite zu zwingen. ([dhm.de](https://www.dhm.de/lemo/kapitel/weimarer-republik/innenpolitik/hitler)) Das Kernproblem: Der Umsturz war schlecht vorbereitet und politisch nicht abgesichert. Kahr, Lossow und Seißer entzogen Hitler bald die Unterstützung. Am Morgen des **9. November 1923** marschierten Hitler, Ludendorff und mehrere Tausend Anhänger dennoch Richtung Münchner Innenstadt. An der **Feldherrnhalle** stoppte die bayerische Landespolizei den Zug mit Waffengewalt. Dabei starben **16 Putschisten und 4 Polizisten**. Der Umsturz brach innerhalb weniger Minuten zusammen. ([dhm.de](https://www.dhm.de/lemo/kapitel/weimarer-republik/innenpolitik/hitler)) Der wichtige Unterschied zu vielen Kurzfassungen: Der Hitlerputsch scheiterte nicht nur an der Polizei, sondern vor allem daran, dass Hitler glaubte, er könne staatliche Eliten durch Druck und Inszenierung auf seine Seite ziehen. Genau das misslang. ([dhm.de](https://www.dhm.de/lemo/kapitel/weimarer-republik/innenpolitik/hitler)) ## Folgen Unmittelbar war der Putsch ein Fehlschlag. Die **NSDAP wurde verboten**, Hitler wurde im Hochverratsprozess zu **fünf Jahren Festungshaft** verurteilt, saß aber tatsächlich nur rund **acht Monate** in Landsberg. Das Urteil war auffallend mild und zeigte, wie nachsichtig Teile der Justiz gegenüber rechten Staatsfeinden waren. Diese Nachsicht war politisch folgenreich, weil sie Hitler nicht zerstörte, sondern ihm Öffentlichkeit verschaffte. ([dhm.de](https://www.dhm.de/lemo/kapitel/weimarer-republik/innenpolitik/hitler)) Langfristig war genau das die eigentliche Folge: Hitler stilisierte den gescheiterten Putsch zur Heldengeschichte um. Die NS-Bewegung machte aus der Niederlage einen Mythos, ehrte die Toten später als „Märtyrer“ und nutzte den 9. November propagandistisch. Nach 1933 wurde dieses Gedenken staatlich inszeniert. ([dhm.de](https://www.dhm.de/lemo/kapitel/weimarer-republik/innenpolitik/hitler)) Noch wichtiger: Nach 1923 änderte Hitler seine Strategie. Statt eines offenen Staatsstreichs setzte die NSDAP ab **1925** auf den **scheinbar legalen Weg** zur Macht. Das war die gefährlichste Lehre aus dem Scheitern: Der Putsch misslang, aber er machte die Nationalsozialisten taktisch klüger. ([dhm.de](https://www.dhm.de/lemo/kapitel/weimarer-republik/innenpolitik/nsdap)) ## Kurz auf den Punkt - **Hintergrund:** Staatskrise 1923, Hyperinflation, Radikalisierung, rechte Umsturzpläne in Bayern. ([dhm.de](https://www.dhm.de/lemo/kapitel/weimarer-republik/innenpolitik/hitler)) - **Verlauf:** Hitler versucht am 8./9. November 1923 in München einen Staatsstreich; der Marsch endet an der Feldherrnhalle im Polizeifeuer. ([dhm.de](https://www.dhm.de/lemo/kapitel/weimarer-republik/innenpolitik/hitler)) - **Folgen:** Verbot der NSDAP, Haft für Hitler, enorme Propagandawirkung und Strategiewechsel zum legalen Machtgewinn. ([dhm.de](https://www.dhm.de/lemo/kapitel/weimarer-republik/innenpolitik/hitler)) Der häufigste Denkfehler ist deshalb: den Hitlerputsch nur als peinliche Niederlage zu sehen. Historisch war er vor allem die **Generalprobe**, aus deren Scheitern Hitler die Methode für seinen späteren Erfolg ableitete.

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