Woher stammten die Türken, die im 18. und 19. Jahrhundert in Warna im heutigen Bulgarien lebten?
Antwort vom**Die meisten Türken, die im 18. und 19. Jahrhundert in Warna lebten, stammten nicht erst aus „der Türkei“ im heutigen Sinn, sondern aus älteren osmanischen Siedlergruppen in Dobrudscha und Nordostbulgarien; dazu kamen im 19. Jahrhundert neue Zuzüge aus anderen Teilen des Osmanischen Reiches, besonders aus Rumelien und nach dem Krimkrieg auch aus dem Krim-/Schwarzmeerraum.** ([ideas.repec.org](https://ideas.repec.org/a/vra/journl/v7y2018i3p5-14.html)) ## Entscheidend ist der Unterschied zwischen „osmanisch“ und „türkisch“ Für Warna im 18. und 19. Jahrhundert darf man die muslimische Bevölkerung nicht automatisch mit ethnischen Türken gleichsetzen. In der Stadt und im Umland lebten neben Türken auch Tataren, Gagausen, Griechen, Bulgaren, Armenier und andere Gruppen; außerdem war Türkisch in der Stadt teils auch Verkehrssprache für Menschen, die ethnisch keine Türken waren. ([ceeol.com](https://www.ceeol.com/search/article-detail?id=25923)) Das heißt konkret: Wenn in Quellen von „Türken“ die Rede ist, kann damit je nach Quelle ethnische Herkunft, Sprache, Religion oder einfach Zugehörigkeit zur osmanischen Stadtbevölkerung gemeint sein. Genau das macht pauschale Herkunftsangaben unsauber. ([ideas.repec.org](https://ideas.repec.org/a/vra/journl/v7y2018i3p5-14.html)) ## Woher kamen sie wahrscheinlich Der Kernbestand der türkischen Bevölkerung in Warna geht auf die osmanische Eroberungs- und Siedlungszeit seit dem 15. und 16. Jahrhundert zurück. Damals wurden in der Region Varna und allgemein in der Dobrudscha muslimisch-türkische Siedlungen aufgebaut und verdichtet; diese Bevölkerung blieb dann über Generationen vor Ort. ([search.trdizin.gov.tr](https://search.trdizin.gov.tr/tr/yayin/detay/1125615/district-of-varna-under-ottoman-domination-some-information-concerning-the-settlement-demographics-and-administrative-structure-16th-18th-centuries)) Im 18. und besonders im 19. Jahrhundert wuchs oder veränderte sich diese Bevölkerung zusätzlich durch Binnenmigration innerhalb des Osmanischen Reiches. Für Warna als Hafen- und Garnisonsstadt ist gut belegt, dass die Stadt in dieser Zeit stark mit anderen osmanischen Räumen verbunden war, vor allem mit Istanbul und dem übrigen Rumelien. ([turkishstudies.net](https://turkishstudies.net/turkishstudies?makale_id=18116&mod=makale_tr_ozet)) Ein wichtiger Sonderfall sind die Zuwanderer aus dem nördlichen Schwarzmeerraum. Nach den russisch-osmanischen Kriegen und besonders im Umfeld des Krimkriegs kamen Tataren und andere muslimische Flüchtlings- oder Migrantengruppen in die Region. Wer in Familienüberlieferungen einfach als „Türke aus Warna“ erscheint, konnte deshalb auch tatarische oder gemischte Herkunft haben. ([de.wikipedia.org](https://de.wikipedia.org/wiki/T%C3%BCrken_in_Bulgarien)) ## Die präziseste Antwort Wenn du nach der **ursprünglichen Herkunft** fragst, lautet die beste historische Antwort: Die Türken von Warna im 18. und 19. Jahrhundert waren überwiegend **Nachfahren osmanischer Siedler, die sich seit dem 15./16. Jahrhundert in Nordostbulgarien angesiedelt hatten**, nicht erst kurzfristig eingewanderte Menschen aus Anatolien. **Zusätzlich** kamen im 19. Jahrhundert neue Gruppen aus anderen osmanischen Provinzen und aus dem Schwarzmeerraum hinzu. ([search.trdizin.gov.tr](https://search.trdizin.gov.tr/tr/yayin/detay/1125615/district-of-varna-under-ottoman-domination-some-information-concerning-the-settlement-demographics-and-administrative-structure-16th-18th-centuries)) Der wenig bekannte, aber wichtige Punkt ist also: Für Warna ist „türkisch“ historisch oft eher eine **über Generationen lokale osmanische Bevölkerung** als eine direkte Herkunft aus dem Gebiet der heutigen Republik Türkei. ([ideas.repec.org](https://ideas.repec.org/a/vra/journl/v7y2018i3p5-14.html))