In Westdeutschland lag die zusammengefasste Geburtenziffer ungefähr bei: 1965: ca. 2,5 Kinder je Frau 1975: ca. 1,5 Kinder je Frau Damit sank sie innerhalb von zehn Jahren sehr deutlich. Gemeint...
Was war der Unterschied zwischen Genossenschaften in Ost- und Westdeutschland?
Antwort vom**Der entscheidende Unterschied war: In Westdeutschland waren Genossenschaften freiwillige Selbsthilfe-Organisationen ihrer Mitglieder, in Ostdeutschland wurden sie in der DDR oft zu staatlich gelenkten Instrumenten der Planwirtschaft umgebaut.** ## Was das konkret bedeutete In der Bundesrepublik blieb die klassische Genossenschaftsidee erhalten: Mitglieder schließen sich freiwillig zusammen, um ihre wirtschaftlichen Interessen gemeinsam besser zu verfolgen, etwa bei Banken, Wohnungsbau oder im Einkauf. Ziel war die Förderung der Mitglieder, nicht die Umsetzung staatlicher Produktionsvorgaben. ([bpb.de](https://www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/lexikon-der-wirtschaft/19476/genossenschaft/)) In der DDR gab es zwar ebenfalls Genossenschaften, aber viele davon funktionierten anders. Besonders in der Landwirtschaft entstanden LPGs, also Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften, im Zuge der Kollektivierung. Formal blieb eingebrachtes Land oft Eigentum der Bauern, praktisch wurde die Bewirtschaftung aber kollektiv organisiert und politisch massiv durchgesetzt. Gerade der Beitritt war daher oft nicht wirklich frei. ([bpb.de](https://www.bpb.de/kurz-knapp/hintergrund-aktuell/292011/vor-60-jahren-gesetz-ueber-die-landwirtschaftlichen-produktionsgenossenschaften-in-der-ddr/)) ## Der wichtigste Unterschied: freiwillig vs. politisch erzwungen Das ist der Kern, den viele Antworten zu oberflächlich erklären: Der Unterschied lag nicht nur in der Rechtsform, sondern in der Funktion. Im Westen war die Genossenschaft ein Mittel **von unten nach oben**: Mitglieder organisierten sich selbst, um günstiger, sicherer oder effizienter zu wirtschaften. Im Osten wurde die Genossenschaft in zentralen Bereichen ein Mittel **von oben nach unten**: Der Staat nutzte sie, um Wirtschaft und Eigentum in das sozialistische System einzupassen. ([bpb.de](https://www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/lexikon-der-wirtschaft/19476/genossenschaft/)) Ein klarer Vergleich: - **Westdeutschland:** Genossenschaft als Zusammenschluss zur Förderung der Mitglieder. - **Ostdeutschland/DDR:** Genossenschaft oft als kollektivierte, staatlich gelenkte Organisationsform innerhalb der Planwirtschaft. ([bpb.de](https://www.bpb.de/themen/deutsche-einheit/lange-wege-der-deutschen-einheit/501222/produktionsgenossenschaften/)) ## Beispiele, wo man den Unterschied besonders sieht In der Landwirtschaft war der Gegensatz am schärfsten. In der DDR wurden aus vielen Einzelbetrieben LPGs mit unterschiedlich stark vergesellschafteten Flächen, Maschinen und Viehbeständen; Typ III bedeutete weitgehende Kollektivierung. Im Westen blieb die Landwirtschaft dagegen überwiegend privat organisiert; Genossenschaften dienten dort eher Vermarktung, Einkauf, Lagerung oder Kreditversorgung, nicht der Abschaffung des Einzelbetriebs. ([bpb.de](https://www.bpb.de/kurz-knapp/hintergrund-aktuell/292011/vor-60-jahren-gesetz-ueber-die-landwirtschaftlichen-produktionsgenossenschaften-in-der-ddr/)) Auch bei Genossenschaftsbanken zeigt sich der Unterschied gut. In Westdeutschland blieben Volks- und Raiffeisenbanken selbstverwaltete Genossenschaftsbanken. In der DDR wurden Kreditgenossenschaften schrittweise der staatlichen Wirtschafts- und Finanzpolitik untergeordnet und verloren viel von ihrer eigenständigen genossenschaftlichen Funktion. ([bpb.de](https://www.bpb.de/themen/deutschlandarchiv/208818/die-transformation-der-ostdeutschen-genossenschaftsbanken-nach-1989/)) ## Wichtige Einordnung Nicht jede Genossenschaft in der DDR war bloß „Schein“. Der wenig bekannte, aber wichtige Punkt ist: Gerade weil genossenschaftliches Eigentum rechtlich anders behandelt wurde als reines Volkseigentum, konnten Teile davon nach 1990 leichter in neue Agrargenossenschaften übergehen. Deshalb gibt es in Ostdeutschland bis heute größere genossenschaftlich geprägte Agrarbetriebe als im Westen. ([bpb.de](https://www.bpb.de/themen/deutsche-einheit/lange-wege-der-deutschen-einheit/47157/landwirtschaft-in-ostdeutschland-der-spaete-erfolg-der-ddr/)) Kurz gesagt: **Im Westen war die Genossenschaft vor allem ein freiwilliges Wirtschaftsmodell der Mitglieder, im Osten wurde sie in der DDR vor allem ein politisch eingebundenes Organisationsmodell des Sozialismus.**