Welche Fähigkeiten und Fertigkeiten sollten Jungen und Mädchen ab 1933 in den Altersstufen von 10 bis 45 Jahren erlernen?

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Die Frage ist so, wie sie formuliert ist, historisch nicht ganz richtig: **Zwischen 10 und 45 Jahren gab es ab 1933 keine einheitlichen „Altersstufen“ für Jungen und Mädchen, in denen alle dieselben Fähigkeiten lernen sollten.** Entscheidend ist der Unterschied zwischen **Jugenderziehung** und **Erwachsenenrollen** im Nationalsozialismus. ## Für Kinder und Jugendliche Ab etwa **10 Jahren** wurden Jungen und Mädchen in der NS-Jugendorganisation systematisch getrennt erzogen. Jungen kamen ins **Deutsche Jungvolk** bzw. später in die **Hitlerjugend**, Mädchen in den **Jungmädelbund** und danach in den **Bund Deutscher Mädel**. Ziel war nicht neutrale Bildung, sondern politische Formung. ([encyclopedia.ushmm.org](https://encyclopedia.ushmm.org/content/de/article/hitler-youth-2)) **Jungen** sollten vor allem Härte, Gehorsam, körperliche Leistungsfähigkeit, Marschieren, Geländedienst und vormilitärisches Denken lernen. Die praktische Konsequenz: Sie sollten auf den Krieg und die Rolle als Soldat vorbereitet werden. ([encyclopedia.ushmm.org](https://encyclopedia.ushmm.org/content/de/article/hitler-youth-2)) **Mädchen** sollten dagegen Hauswirtschaft, Nähen, Kochen, Pflege, körperliche Ertüchtigung und die NS-Ideologie über „Volk“, „Rasse“ und Familie lernen. Die praktische Folge war klar: Sie sollten auf die Rolle als Ehefrau und Mutter vorbereitet werden, nicht auf gleichberechtigte berufliche Entfaltung. ([dhm.de](https://www.dhm.de/lemo/kapitel/ns-regime/ns-organisationen/bdm/)) ## Die eigentlichen Altersstufen Der wichtigste Unterschied, den viele Darstellungen zu ungenau erklären: Die festen Stufen galten vor allem **von 10 bis 18 Jahren**. - **Jungen 10–14**: Deutsches Jungvolk - **Jungen 14–18**: Hitlerjugend - **Mädchen 10–14**: Jungmädelbund - **Mädchen 14–18**: Bund Deutscher Mädel ([museenkoeln.de](https://museenkoeln.de/ausstellungen/nsd_1609_hitlerjugend/02_01_hj_vor33.html)) Das ist der Kern. **Für 18 bis 45 Jahre** ging es nicht mehr um dieselbe Art von Jugenderziehung, sondern um die erwartete gesellschaftliche Funktion im NS-Staat. ## Ab 18 Jahren bis ins Erwachsenenalter Bei **Männern** verschob sich der Schwerpunkt auf Arbeitsdienst, Wehrdienst, Beruf und später Kriegsdienst. Bei **Frauen** lag der Schwerpunkt auf Haushalt, Ehe, Mutterschaft, Pflege und kriegsbezogenen Hilfsdiensten. Teilweise kamen Arbeitsdienst und Einsätze im Krieg hinzu, aber das offizielle Leitbild blieb die „deutsche Mutter“. ([de.wikipedia.org](https://de.wikipedia.org/wiki/Frauenpolitik_in_der_Zeit_des_Nationalsozialismus)) Der entscheidende Punkt ist deshalb: **Das NS-Regime wollte Jungen zu Soldaten und Mädchen zu Müttern im Dienst der Ideologie erziehen.** Genau darin lag die „Fähigkeiten- und Fertigkeitenlehre“ – nicht in freier Förderung, sondern in einer politisch festgelegten Geschlechterrolle. ## Wichtiger Unterschied zu heute Heute würde man unter „Fähigkeiten und Fertigkeiten“ eher Selbstständigkeit, kritisches Denken, Berufswahl und individuelle Förderung verstehen. Im Nationalsozialismus war das Gegenteil gemeint: **Erlernt werden sollte, was dem Staat nützte, nicht was dem einzelnen Kind half.** Das ist der zentrale historische Unterschied.

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