Wie entstand die Europäische Union: von der Idee nach dem Zweiten Weltkrieg bis heute?

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Nach dem Zweiten Weltkrieg (1939–1945) entstand die Vision eines vereinten Europas aus einer sehr konkreten Erfahrung: Zwei Weltkriege innerhalb von 31 Jahren hatten gezeigt, dass Nationalismus, Machtpolitik und wirtschaftliche Rivalität den Kontinent immer wieder in Katastrophen stürzen konnten. Die „Idee Europa“ war deshalb zunächst weniger ein romantisches Projekt als ein Friedens- und Sicherheitskonzept: Krieg zwischen europäischen Staaten – insbesondere zwischen Frankreich und Deutschland – sollte „praktisch unmöglich“ werden. Kernmotive der Einleitung (Vision nach 1945): 1) Frieden durch Verflechtung statt Abschreckung Die zentrale Überzeugung lautete: Wenn die wichtigsten Ressourcen und Industrien gemeinsam verwaltet werden, lohnt sich Krieg nicht mehr und wird organisatorisch schwerer. Aus dieser Logik entstand später die Montanunion (1951) als Vorläufer der EU. 2) Wiederaufbau und Wohlstand Europa lag wirtschaftlich am Boden. Gemeinsame Regeln, Handel und koordinierte Investitionen sollten Wachstum ermöglichen, Versorgung sichern und soziale Stabilität fördern – auch als Schutz gegen politische Radikalisierung. 3) „Nie wieder“: Lehren aus Diktatur und Menschenrechtsverletzungen Die Nachkriegsordnung setzte stärker auf Rechtsstaatlichkeit, demokratische Institutionen und den Schutz grundlegender Rechte. Die europäische Einigung wurde damit auch zu einem Werteprojekt. 4) Geopolitischer Druck des Kalten Krieges (ab ca. 1947) Mit der Blockbildung zwischen USA und Sowjetunion wuchs der Anreiz, Westeuropa politisch und wirtschaftlich zu bündeln, um handlungsfähiger zu werden und Sicherheit zu gewinnen. 5) Frühe Impulse und Symbolfiguren Wichtige Signale waren u. a. Winston Churchills Rede in Zürich (19. September 1946) mit dem Bild der „Vereinigten Staaten von Europa“ sowie die Schuman-Erklärung (9. Mai 1950), die den praktischen Startpunkt der späteren EU-Integration markierte. Kurz: Die Vision eines vereinten Europas nach 1945 war vor allem eine Friedensstrategie durch institutionelle Zusammenarbeit, wirtschaftliche Verflechtung und gemeinsame Regeln – getragen vom Willen, die Ursachen europäischer Kriege dauerhaft zu beseitigen.

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