Was geschah mit den Deutschen in Nordschleswig nach der Abtrennung vom Deutschen Reich?
Antwort vom**Die Deutschen in Nordschleswig wurden nach 1920 nicht vertrieben, sondern zu einer deutschen Minderheit in Dänemark – mit allen Folgen eines plötzlichen Staatswechsels: neue Staatsangehörigkeit, politische Spannungen und später ein mühsamer Weg zur Anerkennung.** ([bdn.dk](https://bdn.dk/identitaet/)) ## Was direkt nach der Abtrennung geschah Nordschleswig kam nach der Volksabstimmung vom 10. Februar 1920 zu Dänemark. Wer dort blieb, wurde grundsätzlich Teil des dänischen Staates; wer nicht aktiv anders optierte, erhielt die dänische Staatsbürgerschaft. Die Menschen blieben also meist in ihren Orten, aber ihre nationale Zugehörigkeit änderte sich über Nacht. ([bdn.dk](https://bdn.dk/identitaet/)) Entscheidend ist: Aus einer bisherigen Mehrheitsbevölkerung in einzelnen Städten und Gemeinden wurde plötzlich eine Minderheit im neuen Nationalstaat. Das war kein bloßer Verwaltungsakt, sondern ein tiefer Einschnitt in Schule, Sprache, Politik und Selbstverständnis. ([bpb.de](https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/27965/ein-nachhaltiges-minderheitenmodell/)) ## Die ersten Jahrzehnte: keine Aussöhnung, sondern Grenzkonflikt Viele deutsche Nordschleswiger akzeptierten die neue Grenze zunächst nicht. Ein großer Teil hoffte auf eine Grenzrevision, also auf eine spätere Rückkehr zu Deutschland. Gerade weil einige Städte lokal mehrheitlich deutsch gestimmt hatten, das Gebiet aber insgesamt en bloc an Dänemark fiel, empfanden viele das Ergebnis als ungerecht. ([bdn.dk](https://bdn.dk/entstehung/)) Das hatte eine klare Folge: Die deutsche Minderheit organisierte sich politisch, kulturell und schulisch eigenständig. Es entstanden eigene Vereine, Schulen und Vertretungsstrukturen. Die Minderheit lebte also nicht einfach „weiter wie vorher“, sondern baute ein eigenes Minderheitenmilieu innerhalb Dänemarks auf. ([bpb.de](https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/27965/ein-nachhaltiges-minderheitenmodell/)) ## Das problematische Kapitel ab den 1930er-Jahren Ein wichtiger Punkt wird oft beschönigt: Große Teile der deutschen Minderheit in Nordschleswig rückten in den 1930er-Jahren stark in den nationalsozialistischen Einflussbereich. Die Hoffnung auf eine Grenzänderung und die Bindung an Deutschland machten die Minderheit besonders anfällig für die Parole „Heim ins Reich“. ([bdn.dk](https://bdn.dk/entstehung/)) Das ist der entscheidende Unterschied zu einer romantischen Erzählung von „einfach benachteiligten Deutschen im Ausland“: Die Minderheit war nicht nur Objekt der Geschichte, sondern in weiten Teilen auch politisch aktiv auf deutscher, später nationalsozialistischer Linie. Genau das belastete ihr Verhältnis zur dänischen Mehrheitsbevölkerung nach 1945 massiv. ([bdn.dk](https://bdn.dk/entstehung/)) ## Nach 1945: Neubeginn erst durch Loyalität zu Dänemark Erst nach dem Zweiten Weltkrieg kam der eigentliche Wendepunkt. Die deutsche Minderheit organisierte sich 1945/47 neu und bekannte sich in einer Loyalitätserklärung zum dänischen Staat und zur Demokratie. Erst damit wurde die Grenze von 1920 politisch wirklich akzeptiert. ([bdn.dk](https://bdn.dk/entstehung/)) 1955 verbesserten die Bonn-Kopenhagener Erklärungen die Lage der Minderheiten auf beiden Seiten der Grenze dauerhaft. Seitdem gilt die deutsche Minderheit in Nordschleswig als anerkannte nationale Minderheit mit eigenen Schulen, kulturellen Einrichtungen und politischer Vertretung. Aus einem Grenzkonflikt wurde schrittweise ein europäisches Minderheitenmodell. ([bdn.dk](https://bdn.dk/entstehung/)) ## Kurz gesagt Die Deutschen in Nordschleswig verschwanden nach der Abtrennung nicht, sondern blieben dort und wurden zu dänischen Staatsbürgern deutscher Identität. Der eigentliche Bruch war nicht die Abwanderung, sondern der Wandel **von der Grenzbevölkerung zur Minderheit** – erst mit Revisionshoffnungen, dann mit NS-Belastung und schließlich mit anerkannter Minderheitenstellung in Dänemark. ([bdn.dk](https://bdn.dk/identitaet/))