Was wollte Barlach mit der Lithografie „Erst Sieger, dann Frieden“ aussagen, und war er 1914 ein Kriegsgegner?

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**Nein: 1914 war Barlach noch kein Kriegsgegner. Die Lithografie „Erst Sieg, dann Frieden“ zeigt eher seine anfängliche Kriegsbejahung – oder mindestens seine Einordnung in die damalige patriotische Kriegsstimmung. Erst ab 1916 wird er klar zum Gegner des Krieges.** ([moma.org](https://www.moma.org/s/ge/collection_ge/artist/artist_id-335_role-1_sov_page-34.html)) ## Was wollte Barlach mit „Erst Sieg, dann Frieden“ sagen Der Titel sagt die Hauptaussage schon ziemlich direkt: **Frieden sollte nach dieser Logik nicht durch Verständigung entstehen, sondern erst nach einem militärischen Sieg.** Das ist keine pazifistische Botschaft, sondern die typische Denkfigur vieler Intellektueller im deutschen Kaiserreich zu Beginn des Ersten Weltkriegs. Die Lithografie erschien am 30. Dezember 1914 in der Zeitschrift *Kriegszeit*, einem Blatt mit künstlerischen Reaktionen auf den Krieg. ([moma.org](https://www.moma.org/s/ge/collection_ge/artist/artist_id-335_role-1_sov_page-34.html)) Entscheidend ist: Bei Barlach sind diese frühen Kriegsblätter oft **nicht so platt heroisch** wie reine Propaganda. Das MoMA beschreibt seine Beiträge für *Kriegszeit* als teils **mehrdeutig** und auf die zerstörerische Macht des Krieges bezogen. Das heißt: Der Titel klingt eindeutig national-patriotisch, aber die bildnerische Wirkung kann zugleich härter, düsterer oder spannungsvoller sein als bei offen triumphalistischen Kriegsbildern. Genau das wird in vielen knappen Darstellungen oft zu wenig erklärt. ([moma.org](https://www.moma.org/s/ge/collection_ge/artist/artist_id-335_role-1_sov_page-34.html)) ## War Barlach 1914 Kriegsgegner **Nein.** Nach übereinstimmenden Darstellungen war Barlach beim Kriegsbeginn 1914 zunächst patriotisch begeistert. Das zeigt nicht nur „Erst Sieg, dann Frieden“, sondern auch Werke wie **„Der Rächer“** von 1914, das ausdrücklich als Ausdruck seiner anfänglichen Kriegsbegeisterung gedeutet wird. ([dia.org](https://dia.org/collection/avenger-33740)) Der wichtige Unterschied ist also: - **1914:** Zustimmung zum Krieg bzw. Hoffnung auf einen „reinigenden“ historischen Umbruch - **ab 1916:** deutliche pazifistische Wende - **späteres Werk:** klare, eindringliche Auseinandersetzung mit Leid, Verlust und Sinnlosigkeit des Krieges ([metmuseum.org](https://www.metmuseum.org/art/collection/search/369882)) ## Warum änderte er seine Haltung Barlach meldete sich 1915 zum Dienst und machte eigene Kriegserfahrungen; danach schlug seine Haltung um. Spätere Arbeiten wie **„Dona nobis pacem“** von 1916 stehen bereits klar auf der Seite des Friedens. Gerade dieser Bruch ist bei Barlach zentral: **Er war nicht von Anfang an Pazifist, sondern wurde es unter dem Eindruck des Krieges.** ([metmuseum.org](https://www.metmuseum.org/art/collection/search/369882)) Das ist auch die praktisch wichtigste Einordnung für deine Frage: **Wenn du „Erst Sieger dann Frieden“ interpretierst, solltest du das Blatt nicht isoliert lesen, sondern als Dokument von Barlachs früher Kriegsphase – vor seiner späteren pazifistischen Wendung.** Dadurch wirkt das Werk historisch viel verständlicher. ([moma.org](https://www.moma.org/s/ge/collection_ge/artist/artist_id-335_role-1_sov_page-34.html))