Die Außenpolitik des Deutschen Reiches unter der Regierung von Otto von Bismarck (1862-1890) war geprägt von einer pragmatischen und realpolitischen Herangehensweise. Bismarck verfolgte das Ziel, die Macht und den Einfluss Deutschlands in Europa zu sichern und zu stärken, ohne in kostspielige militärische Konflikte verwickelt zu werden. Einige zentrale Aspekte seiner Außenpolitik sind: 1. **Bündnispolitik**: Bismarck schloss eine Reihe von Bündnissen, um die Isolation Deutschlands zu verhindern. Dazu gehörten der Dreikaiserbund (1873) mit Russland und Österreich-Ungarn sowie der Dreibund (1882) mit Österreich-Ungarn und Italien. 2. **Französische Isolation**: Ein zentrales Ziel war die Isolierung Frankreichs, um einen möglichen Rachefeldzug nach dem Deutsch-Französischen Krieg (1870-1871) zu verhindern. Bismarck nutzte diplomatische Mittel, um Frankreich von anderen Mächten abzuschotten. 3. **Kolonialpolitik**: Obwohl Bismarck anfangs skeptisch gegenüber kolonialen Ambitionen war, begann er ab den 1880er Jahren, deutsche Kolonien in Afrika und im Pazifik zu erwerben, um den internationalen Status Deutschlands zu erhöhen. 4. **Konfliktvermeidung**: Bismarck war bestrebt, Konflikte zu vermeiden und setzte auf Diplomatie, um Spannungen zu entschärfen. Er war ein Meister der Diplomatie und nutzte geheime Verhandlungen und Abkommen, um seine Ziele zu erreichen. 5. **Rückversicherungsvertrag**: 1887 schloss Bismarck den Rückversicherungsvertrag mit Russland, um die Neutralität Russlands im Falle eines Krieges mit Frankreich zu sichern. Bismarcks Außenpolitik war insgesamt von einem Gleichgewicht der Mächte geprägt, das darauf abzielte, den Frieden in Europa zu wahren und gleichzeitig die Interessen Deutschlands zu fördern. Nach seinem Rücktritt 1890 kam es jedoch zu einer Veränderung in der deutschen Außenpolitik, die zu einer aggressiveren Haltung führte.