Ja. Ein Wohnsitz in den USA schließt Geldanlagen in Deutschland nicht aus – praktisch ist das Hauptproblem nicht das Recht, sondern dass viele deutsche Banken und Broker US-steuerpflichtig...
Liegt im amerikanischen Aktienmarkt eine Übertreibung vor?
Antwort vom**Ja: Der US-Aktienmarkt wirkt aktuell klar teuer – aber nicht jede Übertreibung ist automatisch eine sofort platzende Blase. Entscheidend ist: Die Bewertungen liegen deutlich über dem historischen Normalniveau, während ein Teil davon durch starke Gewinnerwartungen und die Dominanz weniger Mega-Caps getragen wird.** ([advantage.factset.com](https://advantage.factset.com/hubfs/Website/Resources%20Section/Research%20Desk/Earnings%20Insight/EarningsInsight_052126.pdf)) ## Woran man die Übertreibung sieht Der sauberste Kurzbefund ist die Bewertung des S&P 500: Das **Forward-KGV lag im Mai 2026 bei 21,1** und lag damit über dem **5-Jahres-Schnitt von 19,9** und dem **10-Jahres-Schnitt von 18,9**. Im Herbst 2025 lag es zeitweise sogar bei **23,1**, also auf dem höchsten Niveau seit mehr als fünf Jahren. Das ist kein Normalzustand, sondern ein klarer Bewertungsaufschlag. ([advantage.factset.com](https://advantage.factset.com/hubfs/Website/Resources%20Section/Research%20Desk/Earnings%20Insight/EarningsInsight_052126.pdf)) Noch deutlicher ist das beim **Shiller-CAPE**: Multpl zeigt für Ende Juni 2026 einen Wert von **41,0**. Das ist historisch extrem hoch und liegt weit über langfristigen Durchschnittswerten. Solche Niveaus bedeuten vor allem eins: Die künftigen langfristigen Renditen werden statistisch schlechter, selbst wenn der Markt kurzfristig weiter steigen kann. ([multpl.com](https://www.multpl.com/)) Auch der **Buffett-Indikator** spricht für Überbewertung. Je nach Datenquelle liegt die US-Marktkapitalisierung im Verhältnis zum BIP im Juni 2026 grob bei **rund 200 % bis 236 %**. Das ist historisch sehr hoch. Der Haken: Dieser Indikator ist heute weniger „rein“ als früher, weil große US-Konzerne einen erheblichen Teil ihrer Umsätze und Gewinne im Ausland erzielen. Er ist also nützlich als Warnsignal, aber nicht als exakter Crash-Timer. ([buffettindicator.org](https://buffettindicator.org/)) ## Warum der Markt trotzdem nicht einfach „irrational“ ist Die Gegenargumente sind real: Für 2026 erwarten Analysten beim S&P 500 **Gewinnwachstum von 15 %**, und Anfang Februar 2026 lag das tatsächliche Gewinnwachstum für Q4 2025 bereits bei **12,1 %**. Der Markt ist also nicht nur wegen Euphorie teuer, sondern auch, weil die Gewinnbasis tatsächlich gewachsen ist. ([insight.factset.com](https://insight.factset.com/2026-outlook-converging-forces-shaping-earnings-capital-markets-technology-and-global-policy)) Der wichtigere Punkt ist aber: **Die Kurse sind schneller gestiegen als die Gewinnerwartungen.** FactSet hat für den Anstieg bis Ende Oktober 2025 ausdrücklich gezeigt, dass vor allem das **„P“ im KGV**, also der Preis, gestiegen ist – nicht im gleichen Maß die erwarteten Gewinne. Genau das ist das typische Muster einer Übertreibung: gute Fundamentaldaten, aber ein noch stärkerer Bewertungsaufschlag. ([insight.factset.com](https://insight.factset.com/highest-forward-12-month-p/e-ratio-for-the-sp-500-in-more-than-5-years?hs_amp=true)) ## Der eigentliche Risikopunkt Die Übertreibung liegt nicht unbedingt im „gesamten Amerika“, sondern besonders in den **großen Wachstums- und Tech-Schwergewichten**. Wenn wenige sehr große Titel den Index tragen, sieht der Gesamtmarkt robuster aus, als er in der Breite ist. Das macht den Markt anfällig: Nicht erst schlechte Gewinne, sondern schon leicht enttäuschende Erwartungen können dann starke Rücksetzer auslösen. ([insight.factset.com](https://insight.factset.com/highest-forward-12-month-p/e-ratio-for-the-sp-500-in-more-than-5-years?hs_amp=true)) Der praktische Unterschied ist wichtig: - **Teuer** heißt: erwartete Rendite sinkt. - **Blase** heißt: Preise haben sich weit von realistisch haltbaren Erwartungen gelöst. Mein Urteil: **Der US-Aktienmarkt ist aktuell eher teuer bis überdehnt als flächendeckend absurd.** Für einen langfristigen Anleger ist das ein Warnsignal gegen blindes Nachkaufen auf Index-Höchstständen, aber noch kein Beweis, dass ein Crash unmittelbar bevorsteht. ([advantage.factset.com](https://advantage.factset.com/hubfs/Website/Resources%20Section/Research%20Desk/Earnings%20Insight/EarningsInsight_052126.pdf)) ## Was daraus konkret folgt Wenn du wissen willst, was das praktisch bedeutet: In so einem Marktumfeld ist das größte Risiko meist **nicht**, den Markt komplett zu meiden, sondern **zu viel für zukünftiges Wachstum zu bezahlen**. Genau deshalb fallen hoch bewertete Märkte oft nicht wegen schlechter Gegenwart, sondern wegen zu hoher Erwartungen an die Zukunft. ([insight.factset.com](https://insight.factset.com/highest-forward-12-month-p/e-ratio-for-the-sp-500-in-more-than-5-years?hs_amp=true)) Kurz gesagt: **Ja, es gibt Anzeichen einer Übertreibung im US-Aktienmarkt – vor allem bei den Bewertungen. Aber die Übertreibung sitzt eher in der Preisbildung als in völlig fehlenden Unternehmensgewinnen.**