Eher die westslawischen – vor allem Polnisch und besonders Slowakisch –, aber nicht pauschal alle. Für Russen und Ukrainer sind die südslawischen Sprachen meist nur dann leichter...
Welche slawischen Sprachen haben vom Urslawischen viel bewahrt, welche wenig?
Antwort vom**Am meisten Urslawisches haben heute nicht einfach „die östlichen“ oder „die südlichen“ Sprachen bewahrt, sondern je nach Bereich unterschiedliche: Bulgarisch/Makedonisch sind grammatisch stark vom Urslawischen weggerückt, während Russisch, Polnisch, Slowenisch und besonders das Serbokroatische in wichtigen Teilen deutlich konservativer sind.** Altkirchenslawisch ist dabei kein modernes Idiom, aber die älteste belegte slawische Sprache und für viele archaische Merkmale der wichtigste Vergleichspunkt. ([en.wikipedia.org](https://en.wikipedia.org/wiki/Old_Church_Slavonic)) ## Was „viel behalten“ überhaupt heißt Die Frage ist nur sinnvoll, wenn man trennt zwischen: - **Lautlehre**: Welche alten Laute oder Akzentmuster blieben erhalten - **Grammatik**: Welche Fälle, Verbformen und Flexionen blieben - **Satzbau**: Wurde die alte synthetische Struktur bewahrt oder durch analytische Formen ersetzt Eine Sprache kann also **in einem Bereich konservativ und in einem anderen innovativ** sein. Genau deshalb gibt es **keinen einzigen Gesamtsieger**. Diese Einordnung folgt aus der historischen Slawistik und dem Befund, dass verschiedene Zweige unterschiedliche urslawische Merkmale bewahrt haben. ([en.wikipedia.org](https://en.wikipedia.org/wiki/Old_Church_Slavonic)) ## Eher konservativ **Serbokroatisch** ist insgesamt eine der konservativeren modernen slawischen Standardsprachen, vor allem weil es viel alte Flexion bewahrt hat und sogar Reste des alten Akzentsystems zeigt. Gerade im Vergleich zu Bulgarisch/Makedonisch ist der Unterschied groß: dort wurde viel alte Morphologie abgebaut, hier blieb sie weitgehend erhalten. Das ist für die Praxis der klarste Kontrast. ([britannica.com](https://www.britannica.com/topic/Baltic-languages/Relationship-between-Baltic-and-Slavic)) **Slowenisch** gilt ebenfalls als relativ konservativ, besonders wegen alter morphologischer Merkmale wie dem **Dual**, den die meisten anderen slawischen Sprachen verloren haben. Das ist ein gutes Beispiel dafür, dass eine kleinere Sprache historisch archaischer sein kann als größere Standardsprachen. Diese Art von Erhalt ist für das Urslawische besonders aussagekräftig. ([en.wikipedia.org](https://en.wikipedia.org/wiki/Old_Church_Slavonic)) **Russisch** ist in mehreren Punkten überraschend konservativ und wichtig für die Rekonstruktion des Urslawischen. Es hat zwar natürlich viele Neuerungen, bewahrt aber in Morphologie und Grundstruktur mehr Altes, als man oft denkt. Gerade deshalb spielt Russisch in der historischen Rekonstruktion eine größere Rolle, als die bloße moderne Aussprache vermuten lässt. ([en.wikipedia.org](https://en.wikipedia.org/wiki/History_of_the_Russian_language)) **Polnisch** hat ein sehr altes Merkmal besonders sichtbar bewahrt: die **Nasale**. Britannica hebt gerade diese Bewahrung proto-slawischer Nasalvokale für den lechitischen Bereich hervor. Das macht Polnisch nicht insgesamt zur „urslawischsten“ Sprache, aber in der Lautgeschichte ist es klar konservativ. ([britannica.com](https://www.britannica.com/summary/Slavic-languages)) ## Eher weit vom Urslawischen entfernt **Bulgarisch und Makedonisch** haben sich grammatisch am weitesten vom Urslawischen entfernt. Der entscheidende Punkt ist nicht der Wortschatz, sondern die Struktur: Sie haben einen großen Teil des alten Kasussystems verloren und arbeiten viel stärker analytisch, also mit Artikeln und Umschreibungen statt mit alter Flexion. Wenn man nur eine kurze Antwort geben müsste, wären diese beiden die klarsten Kandidaten für „am wenigsten bewahrt“. ([britannica.com](https://www.britannica.com/topic/Slavic-languages/The-early-development-of-the-Slavic-languages)) ## Die präziseste Kurzordnung Wenn man grob ordnet, ohne falsche Scheingenauigkeit: - **sehr konservativ in wichtigen Bereichen**: Serbokroatisch, Slowenisch, teils Russisch - **konservativ in einzelnen Bereichen**: Polnisch - **am stärksten umgebaut**: Bulgarisch, Makedonisch Der wichtigste Denkfehler ist also: **Es gibt nicht die eine slawische Sprache, die dem Urslawischen insgesamt „am nächsten“ ist.** Für Grammatik gewinnt eher der westliche/südwestliche Bereich, für einzelne Lautmerkmale auch Polnisch, und als ältester direkter Vergleich bleibt Altkirchenslawisch zentral. ([en.wikipedia.org](https://en.wikipedia.org/wiki/Old_Church_Slavonic))
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