Sind Diskriminierung und herabwürdigende Behandlung in der Lehrzeit mit „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“ zu rechtfertigen?

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**Nein. Der Spruch bedeutet höchstens, dass Ausbildung anstrengend ist und man nicht sofort alle Freiheiten eines voll eingearbeiteten Mitarbeiters hat – er rechtfertigt aber keine Diskriminierung, keine Demütigung und keine rechtswidrige Behandlung.** Der Duden erklärt die Redewendung nur als Hinweis darauf, dass man in der Ausbildung Mühen und Einschränkungen in Kauf nehmen muss. Das ist etwas völlig anderes als Benachteiligung wegen Herkunft, Geschlecht, Religion, Behinderung, Alter oder sexueller Identität. ([duden.de](https://www.duden.de/rechtschreibung/Lehrjahr)) ## Der entscheidende Unterschied **Strenge Ausbildung ist erlaubt, Diskriminierung nicht.** Ein Azubi muss lernen, Anweisungen befolgen, Fehler korrigieren und auch unangenehme Routineaufgaben übernehmen. Nicht erlaubt ist, jemanden wegen geschützter Merkmale schlechter zu behandeln. Genau davor schützt das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz auch im Bereich Ausbildung und Beschäftigung. ([antidiskriminierungsstelle.de](https://www.antidiskriminierungsstelle.de/agg-schuetzt/agg-schuetzt_node.html)) Einfach gesagt: - **normal in der Ausbildung:** Feedback, Leistungsanforderungen, klare Hierarchien, Lernphasen - **nicht normal und nicht zulässig:** rassistische Sprüche, sexistische Behandlung, Ausgrenzung, Benachteiligung bei Aufgaben, Bezahlung oder Chancen wegen persönlicher Merkmale ([antidiskriminierungsstelle.de](https://www.antidiskriminierungsstelle.de/agg-schuetzt/agg-schuetzt_node.html)) ## Warum der Spruch oft missbraucht wird Der Satz wird heute oft benutzt, um schlechtes Verhalten kleinzureden: also nach dem Muster „Da musst du durch“. Genau diese Haltung wird auch von Ausbildungsexperten kritisiert, weil sie Probleme in Betrieben eher verdeckt als löst. Ein Haufe-Beitrag zur Vermeidung von Ausbildungsabbrüchen zitiert ausdrücklich die Forderung, Ausbilder müssten von der Haltung wegkommen, dass „Lehrjahre keine Herrenjahre“ seien. ([haufe.de](https://www.haufe.de/personal/hr-management/berufsausbildung-wie-sich-ausbildungsabbrueche-verhindern-lassen_80_419254.html)) Die praktische Folge ist klar: **Wer Diskriminierung mit diesem Spruch rechtfertigt, verwechselt Ausbildungspflichten mit Machtmissbrauch.** ## Was daraus konkret folgt Wenn in der Lehrzeit jemand diskriminiert wird, ist das nicht „normal“, sondern ein Problem, gegen das man sich wehren kann. Die Bundesagentur für Arbeit weist darauf hin, dass Azubis Rechte haben und sich bei Verstößen an zuständige Stellen wie IHK, HWK oder Interessenvertretungen wenden können. Auch externe Antidiskriminierungsberatung ist möglich. ([arbeitsagentur.de](https://www.arbeitsagentur.de/bildung/einfach-erklaert/rechte-pflichten-ausbildung-einfach)) Der kurze Kern lautet also: **„Lehrjahre sind keine Herrenjahre“ beschreibt Belastung in der Ausbildung – nicht das Recht, Menschen unfair oder diskriminierend zu behandeln.**

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