Nirvikalpa Samadhi ist ein Zustand tiefster Meditation, der in der yogischen und vedantischen Tradition als vollständige Auflösung des individuellen Bewusstseins in das Absolute beschrieben...
Ja, es gibt in der yogischen und vedantischen Tradition bestimmte Kriterien, anhand derer eine Selbsteinschätzung von Samadhi – insbesondere Nirvikalpa Samadhi – vorgenommen werden kann. Ebenso gibt es Hinweise, die das Vorliegen von Nirvikalpa Samadhi ausschließen. Hier eine Übersicht: **Kriterien für Nirvikalpa Samadhi:** 1. **Vollständige Gedankenstille:** Im Nirvikalpa Samadhi gibt es keinerlei Gedanken, Vorstellungen oder mentale Aktivitäten. Das Bewusstsein ist völlig leer von Inhalten. 2. **Auflösung des Ich-Gefühls:** Es gibt kein Gefühl von „Ich“ oder „Mein“. Das individuelle Selbst (Ahamkara) ist vollständig transzendiert. 3. **Zeit- und Raumlosigkeit:** Es gibt kein Erleben von Zeit, Raum oder Kausalität. Alles ist in einem zeitlosen Jetzt aufgehoben. 4. **Keine Wahrnehmung von Objekten:** Weder äußere noch innere Objekte werden wahrgenommen. Auch keine Visionen, Lichter, Klänge oder andere Erfahrungen. 5. **Vollständige Unmittelbarkeit:** Es gibt keine Dualität zwischen Erfahrendem und Erfahrenem. Nur reines, nicht-duales Bewusstsein bleibt. 6. **Nachwirkungen:** Nach dem Verlassen des Nirvikalpa Samadhi bleibt oft ein tiefgreifendes Gefühl von Frieden, Glückseligkeit und Losgelöstheit von der Welt zurück. **Kriterien, die Nirvikalpa Samadhi ausschließen:** - **Vorhandensein von Gedanken oder Bildern:** Wenn während der Erfahrung Gedanken, Bilder, Visionen oder innere Dialoge auftreten, handelt es sich nicht um Nirvikalpa Samadhi. - **Gefühl von Zeit oder Raum:** Wenn Zeit vergeht oder Raum wahrgenommen wird, ist es kein Nirvikalpa Samadhi. - **Erleben von Glückseligkeit oder Licht:** Auch wenn intensive Glückseligkeit, Licht oder andere ekstatische Zustände erlebt werden, ist dies meist ein Zeichen von Savikalpa Samadhi oder anderen meditativen Zuständen, nicht von Nirvikalpa Samadhi. - **Bewusstsein des eigenen Körpers oder der Umgebung:** Wenn der Körper oder die Umgebung noch wahrgenommen werden, ist es kein Nirvikalpa Samadhi. - **Subjekt-Objekt-Dualität:** Wenn noch ein Gefühl von „Ich erlebe etwas“ vorhanden ist, liegt kein Nirvikalpa Samadhi vor. **Wichtiger Hinweis:** Die Selbsteinschätzung solcher Erfahrungen ist schwierig, da das Erinnern an Nirvikalpa Samadhi per Definition nicht möglich ist – während des Zustands gibt es kein individuelles Bewusstsein, das etwas „erlebt“. Meist wird der Zustand nur an seinen Nachwirkungen und an der völligen Abwesenheit jeglicher Erfahrung währenddessen erkannt. **Quellen und weiterführende Literatur:** - Swami Sivananda: [The Four Paths of Yoga](https://www.dlshq.org/download/fourpaths.htm) - Ramana Maharshi: [Talks with Sri Ramana Maharshi](https://www.sriramanamaharshi.org/resource_centre/publications/talks/) - Swami Vivekananda: [Raja Yoga](https://www.ramakrishnavivekananda.info/vivekananda/volume_1/raja_yoga/raja_yoga_contents.htm) Diese Kriterien stammen aus der klassischen Yogaphilosophie und Advaita Vedanta. In der Praxis ist es ratsam, solche Erfahrungen mit einem erfahrenen Lehrer zu besprechen.
Nirvikalpa Samadhi ist ein Zustand tiefster Meditation, der in der yogischen und vedantischen Tradition als vollständige Auflösung des individuellen Bewusstseins in das Absolute beschrieben...