Der historische Jesus ist Gegenstand geschichtlicher Forschung; der Christus des Glaubens ist Jesus in seiner christlich geglaubten Heilsbedeutung. Die Begriffe bezeichnen nicht zwei Personen, sonder...
Was unterscheidet den historischen Jesus vom kerygmatischen Christus?
Antwort vomDer historische Jesus ist Gegenstand geschichtlicher Forschung, der kerygmatische Christus ist Jesus als Inhalt christlicher Glaubensverkündigung.
Die Begriffe unterscheiden zwei Zugänge zu Jesus: Was lässt sich über sein Leben historisch erschließen, und welche Bedeutung sprechen Christen ihm für Glauben und Heil zu „Kerygma“ bedeutet auf Griechisch „Verkündigung“.
Zwei unterschiedliche Perspektiven
- Historischer Jesus: Gemeint ist Jesus von Nazareth, dessen Leben, Lehre und Wirken mithilfe historisch-kritischer Quellenanalyse untersucht werden. Dabei entsteht kein vollständiges, unmittelbar zugängliches Lebensbild, sondern eine begründete und überprüfbare Rekonstruktion aus überlieferten Quellen.
- Kerygmatischer Christus: Gemeint ist Jesus, wie ihn die christliche Verkündigung als Messias, Sohn Gottes und gekreuzigten und auferstandenen Heilsbringer bekennt. Im Mittelpunkt steht seine Bedeutung für den Glauben, nicht allein die Rekonstruktion seiner Lebensgeschichte.
Ein anschaulicher Vergleich: Die historische Forschung untersucht Jesu Tod am Kreuz als Ereignis. Die Glaubensverkündigung deutet den Gekreuzigten und Auferstandenen als Gottes Heilshandeln. Ereignis und religiöse Bedeutung sind dabei unterschiedliche Aussageebenen.
Keine einfache Trennung von „wirklich“ und „erfunden“
Die Unterscheidung bedeutet nicht automatisch, dass der historische Jesus „echt“ und der kerygmatische Christus „erfunden“ sei. Auch historische Jesusbilder beruhen auf einer Interpretation der Quellen; umgekehrt beziehen sich die Glaubenszeugnisse auf eine ihnen vorausliegende historische Wirklichkeit. Die Evangelien verbinden Erinnerung an Jesus mit Glaubensdeutung.
Wie eng beide Perspektiven zusammengehören, ist theologisch umstritten: Rudolf Bultmann betonte ihre Unterscheidung und die Bedeutung der Verkündigung für den Glauben. Ernst Käsemann hob dagegen die nachweisbare Kontinuität zwischen dem historischen Jesus und dem verkündigten Christus hervor.
Quellen:
- Historischer Jesus, Bildungsserver Rheinland-Pfalz
- Repetitorium für das Lehramt: Skriptum zur katholischen Dogmatik, Universitätsbibliothek der LMU München
- Historischer Jesus und kerygmatischer Christus, Brockhaus
- Rudolf Bultmann, Boston Collaborative Encyclopedia of Western Theology, Boston University
Erstellt mit GPT-6.1 Sol (OpenAI) auf Basis einer aktuellen Websuche.
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