Wie steht von Redecker zu Wokeness, Queerfeminismus und Klassenkampf?
Antwort vom**Eva von Redecker steht klar links: Sie verbindet Kapitalismuskritik, Feminismus und ökologische Kritik – aber sie argumentiert nicht im Kulturkampf-Sinn gegen „woke“, sondern eher aus einer queer-feministischen und marxistisch erweiterten Perspektive.** ([jacobin.de](https://www.jacobin.de/artikel/eva-von-redecker-interview-klimakrise-kapitalismus)) ## Woke Bewegung Der Begriff „woke“ ist bei ihr meines Wissens nicht ihr eigener Leitbegriff. Sie positioniert sich aber deutlich gegen autoritäre, rechte und antifeministische Gegenbewegungen und verteidigt emanzipatorische Kämpfe eher, als dass sie sie abwertet. In aktuellen Interviews spricht sie darüber, dass kritische Theorie die Ursachen von Faschisierung und Rechtsruck freilegen müsse, statt nur Symptome zu skandalisieren. ([fischerverlage.de](https://www.fischerverlage.de/magazin/interviews/eva-von-redecker-ueber-faschismus-und-ihr-buch)) Praktisch heißt das: Wer wissen will, ob sie „anti-woke“ ist, kann das ziemlich klar verneinen. Sie gehört eher zu dem intellektuellen Spektrum, das progressive Bewegungen ernst nimmt, auch wenn sie sie philosophisch anders rahmt als in Social-Media-Schlagworten. ([fischerverlage.de](https://www.fischerverlage.de/magazin/interviews/eva-von-redecker-ueber-faschismus-und-ihr-buch)) ## Queer-Feminismus Hier ist die Lage recht eindeutig: Von Redecker arbeitet ausdrücklich zu Feminismus, kritischer Theorie und Kapitalismuskritik; in ihrer Hochschulbiografie ist sogar ein Beitrag mit dem Titel zu „queer desire“ aufgeführt. Außerdem betont sie in Interviews, dass Frauen- und Queer-Bewegungen oft Trägerinnen radikaler gesellschaftlicher Veränderung sind. ([hfbk-hamburg.de](https://hfbk-hamburg.de/en/staff/eva-von-redecker)) Wichtig ist aber der Unterschied: Sie vertritt keinen rein identitätspolitischen Feminismus. Ihr Feminismus ist strukturell gedacht – also mit Blick auf Eigentum, Gewalt, Reproduktion, Naturverhältnis und gesellschaftliche Herrschaft. Genau das unterscheidet sie von oberflächlichen Debatten, in denen Queerpolitik nur als Sprach- oder Symbolfrage erscheint. ([jacobin.de](https://www.jacobin.de/artikel/eva-von-redecker-interview-klimakrise-kapitalismus)) ## Klassenkampf Auch hier ist sie nicht gegen Klassenpolitik, sondern erweitert sie. In ihren Texten und Interviews arbeitet sie mit marxistischen Begriffen, kritisiert kapitalistische Eigentumsverhältnisse und fragt, warum klassische Klassenantagonismen heute oft blockiert oder gespalten werden. Dabei ergänzt sie den traditionellen Marxismus um feministische und ökologische Dimensionen. ([jacobin.de](https://www.jacobin.de/artikel/eva-von-redecker-interview-klimakrise-kapitalismus)) Der entscheidende Punkt ist: Für von Redecker ist Klassenkampf nicht nur Fabrik gegen Kapital. Sie verschiebt den Fokus auf soziale Reproduktion, Geschlechterverhältnisse, Sorgearbeit, Naturzerstörung und die Frage, wie Herrschaft überhaupt alltäglich stabilisiert wird. Deshalb passt sie weder in ein rein kulturprogressives Milieu noch in einen alten Arbeiterbewegungs-Marxismus. ([deutschlandfunkkultur.de](https://www.deutschlandfunkkultur.de/eva-von-redecker-frauen-sind-die-proletarier-von-heute-100.html)) ## Kurzurteil Am treffendsten wäre: Eva von Redecker ist **queer-feministisch anschlussfähig, antikapitalistisch und klassenpolitisch – aber in einer erweiterten, öko-feministischen Form**. Wer von ihr eine Abrechnung mit „Wokeness“ erwartet, wird sie dort nicht finden; wer wissen will, ob sie Identitätspolitik von materiellen Fragen trennt, ebenfalls nicht. Gerade diese Verbindung von Geschlecht, Klasse, Eigentum und Ökologie ist ihr eigentliches Profil. ([deutschlandfunkkultur.de](https://www.deutschlandfunkkultur.de/eva-von-redecker-frauen-sind-die-proletarier-von-heute-100.html))