Erich Fromm, ein bekannter Sozialpsychologe und Philosoph, unterscheidet in seinem Werk "Haben oder Sein" zwischen zwei grundlegenden Weisen des menschlichen Lebens: der Existenzweise des Habens und der Existenzweise des Seins. 1. **Haben**: Diese Existenzweise ist geprägt durch Besitz und Konsum. Menschen, die in der Haben-Modus leben, definieren sich durch das, was sie besitzen, erwerben oder kontrollieren können. Ihr Selbstwertgefühl und ihre Identität hängen stark von materiellen Gütern, Statussymbolen und äußeren Erfolgen ab. Das Streben nach Besitz führt oft zu Konkurrenzdenken, Angst vor Verlust und einem Gefühl der Leere, wenn der Besitz nicht die erhoffte Erfüllung bringt. 2. **Sein**: Im Gegensatz dazu steht die Existenzweise des Seins, die sich durch authentisches Erleben, Kreativität und inneres Wachstum auszeichnet. Menschen, die im Sein-Modus leben, legen Wert auf zwischenmenschliche Beziehungen, persönliche Entwicklung und das Erleben des gegenwärtigen Moments. Sie finden Erfüllung in Aktivitäten, die sie intrinsisch motivieren, und in der Verbindung zu anderen Menschen und der Welt um sie herum. Fromm argumentiert, dass die moderne Gesellschaft stark vom Haben-Modus dominiert wird, was zu Entfremdung, Unzufriedenheit und sozialen Problemen führt. Er plädiert für eine Hinwendung zur Existenzweise des Seins, um ein erfüllteres und authentischeres Leben zu führen.