Was ist der Unterschied zwischen W. Dray und dem D-S-Modell der Erklärung nach Hempel?

Antwort vom

**W. Dray steht für ein Gegenmodell zu Hempel: Er erklärt Handlungen primär über Gründe und Situationsverständnis, nicht über allgemeine Gesetze. Das D-S-Modell bei Hempel meint dagegen die deduktiv-statistische Erklärung: Das Ereignis wird mit statistischen Gesetzen und Randbedingungen als wahrscheinlich ableitbar erklärt.** ## W. Dray William Dray kritisiert, dass menschliches Handeln nicht gut nach dem Muster naturwissenschaftlicher Gesetzeserklärung erfasst wird. Sein Kernpunkt ist: Eine Handlung ist oft schon dann erklärt, wenn verständlich wird, **warum sie für die handelnde Person unter den gegebenen Umständen sinnvoll oder vernünftig war**. Das ist eine **rationale Erklärung**: - Welche Situation lag vor - Welche Ziele hatte die Person - Welche Gründe sprachen für die Handlung Die praktische Konsequenz: Dray verschiebt den Fokus von **Kausalgesetzen** zu **Gründen, Motiven und Kontext**. Für Geschichtswissenschaft und Handlungserklärung ist das meist deutlich passender als Hempels Modell. **Beispiel:** Wenn jemand bei Regen einen Schirm mitnimmt, braucht man kein allgemeines Natur- oder Sozialgesetz. Es reicht oft zu sagen: Die Person wollte nicht nass werden und wusste, dass es regnet. ## D-S-Modell nach Hempel Das **D-S-Modell** ist das **deduktiv-statistische Modell** der Erklärung. Dabei wird das zu erklärende Ereignis nicht streng notwendig, sondern **mit hoher Wahrscheinlichkeit** aus zwei Elementen hergeleitet: - statistische Gesetze - konkrete Anfangs- oder Randbedingungen Schema: 1. Allgemeines statistisches Gesetz 2. Konkreter Einzelfall 3. Daraus folgt: Das Ereignis war wahrscheinlich Der entscheidende Unterschied zum streng deduktiv-nomologischen Modell ist: Beim **D-N-Modell** folgt das Ereignis notwendig, beim **D-S-Modell** nur **wahrscheinlich**. ## Wichtigster Unterschied Dray und Hempel verfolgen zwei verschiedene Erklärungsideale: - **Hempel:** Erklären heißt, ein Ereignis unter allgemeine Regeln oder Gesetze zu subsumieren. - **Dray:** Erklären heißt bei Handlungen oft, die Entscheidung aus der Perspektive der handelnden Person nachvollziehbar zu machen. Genau hier liegt der philosophisch wichtige Punkt: **Dray bestreitet nicht, dass Ursachen existieren, sondern dass Gesetzesmodelle für historische und menschliche Handlungen die beste Form der Erklärung sind.** ## Kurzform für Prüfung oder Hausarbeit **Dray kritisiert Hempels gesetzesförmiges Erklärungsmodell, weil menschliche Handlungen häufig nicht durch allgemeine Gesetze, sondern durch rationale Rekonstruktion von Gründen erklärt werden. Das D-S-Modell Hempel erklärt Ereignisse dagegen deduktiv aus statistischen Gesetzen und Randbedingungen, also nicht notwendig, sondern mit Wahrscheinlichkeit.**

Verwandte Fragen

Was ist das Hempel-Oppenheim-Schema und wie lautet Drays Kritik?

Das Hempel-Oppenheim-Schema erklärt ein Ereignis nur dann als wissenschaftlich erklärt, wenn es sich aus allgemeinen Gesetzen plus konkreten Anfangsbedingungen logisch ableiten lässt; D...

Ist Gott ein Produkt der menschlichen Evolution, um das Unerklärbare zu erklären?

Die Argumentation, dass der Mensch sich Gott als Erklärung für das Unerklärbare geschaffen hat, ist eine verbreitete Sichtweise in der Religionswissenschaft, Psychologie und Evolutionsb...