Wie lautet Franz Brentanos Theorie der Wertgefühle?

Antwort

Franz Brentano (1838–1917) war ein bedeutender Philosoph und Psychologe, der sich intensiv mit dem Thema Wertgefühle auseinandergesetzt hat. Seine Theorie der Wertgefühle ist ein zentraler Bestandteil seiner Philosophie des Geistes und der Ethik. **Kernpunkte von Brentanos Theorie der Wertgefühle:** 1. **Unterscheidung von Gefühlen:** Brentano unterscheidet zwischen zwei Hauptarten psychischer Akte: - Vorstellungen (z.B. Wahrnehmungen, Erinnerungen) - Urteile und Gefühle (z.B. Bejahen, Verneinen, Lieben, Hassen) 2. **Wertgefühle als intentionale Akte:** Für Brentano sind Wertgefühle (wie Lieben und Hassen) intentionale Akte, das heißt, sie sind immer auf etwas gerichtet. Man liebt oder hasst immer etwas Bestimmtes. 3. **Gefühle als Werturteile:** Brentano sieht Gefühle nicht nur als bloße Empfindungen, sondern als eine Art von Werturteil. Wenn man etwas liebt, hält man es für gut; wenn man etwas hasst, hält man es für schlecht. Gefühle sind also Ausdruck von Wertungen. 4. **Objektivität der Werte:** Brentano vertritt die Auffassung, dass es objektive Werte gibt. Die Richtigkeit eines Wertgefühls hängt davon ab, ob das Gefühl dem objektiven Wert des Gegenstandes entspricht. Beispiel: Es ist richtig, Tugend zu lieben und Laster zu hassen. 5. **Richtige und falsche Wertgefühle:** Gefühle können laut Brentano richtig oder falsch sein, je nachdem, ob sie dem objektiven Wert des Gegenstandes angemessen sind. - Richtig: Ein Gefühl, das einem objektiv wertvollen Gegenstand gilt (z.B. Liebe zur Gerechtigkeit) - Falsch: Ein Gefühl, das einem objektiv wertlosen oder schlechten Gegenstand gilt (z.B. Liebe zum Laster) 6. **Rolle in der Ethik:** Brentano sieht in den Wertgefühlen die Grundlage für moralische Urteile. Moralische Richtigkeit besteht darin, das zu lieben, was wirklich liebenswert ist, und das zu hassen, was wirklich hassenswert ist. **Zusammengefasst:** Brentanos Theorie der Wertgefühle besagt, dass Gefühle wie Lieben und Hassen nicht bloß subjektive Empfindungen sind, sondern Werturteile über die Welt ausdrücken. Sie sind auf Gegenstände gerichtet und können objektiv richtig oder falsch sein, je nachdem, ob sie dem tatsächlichen Wert des Gegenstandes entsprechen. **Weiterführende Literatur:** - Franz Brentano: *Vom Ursprung sittlicher Erkenntnis* (1889) - [Stanford Encyclopedia of Philosophy: Franz Brentano](https://plato.stanford.edu/entries/brentano/) Diese Theorie hat die Wertethik und die Phänomenologie nachhaltig beeinflusst, etwa bei Max Scheler und anderen.

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