Ja – wenn du rohen, frühen Deutschpunk mit klarer 80er-Kante magst, ist The Annoyed wegen Nie wieder Deutschland durchaus empfehlenswert. Die Band ist kein Mainstream-Geheimtipp, sondern eh...
Was weiß man über die früheren Mitglieder von The Annoyed („Nie wieder Deutschland“) und die damalige Würzburger Punkszene?
Antwort vom**Zu *The Annoyed* weiß man konkret: Es war eine Würzburger Punkband der 1980er, sie blieb eher regional, und die bekannten Mitglieder hießen Pickel (Gesang), Seele (Gitarre/Gesang), Ivan (Gitarre/Gesang) und Otto (Schlagzeug).** Außerdem wohnte und probte die Band laut Szene-Dokumentation in einem Haus in Grombühl; 1987 erschien ihr einziges Album *Nie wieder Deutschland* in Eigenproduktion, das Original wohl nur in 500 Exemplaren. ([sub-bavaria.de](https://www.sub-bavaria.de/wiki/The_Annoyed)) ## Was sich über die Band halbwegs sicher sagen lässt Die belastbarste öffentlich auffindbare Quelle ist der Eintrag bei [sub-bavaria](https://www.sub-bavaria.de/wiki/The_Annoyed), einem Lexikon bayerischer Subkulturen. Dort stehen die vier Namen bzw. Spitznamen, der Würzburger Bezug und die Info zur Probe- und Wohnsituation in Grombühl. ([sub-bavaria.de](https://www.sub-bavaria.de/wiki/The_Annoyed)) Zum Album gibt es zusätzlich eine übereinstimmende Spur über MusicBrainz: *Nie wieder Deutschland* ist dort als Veröffentlichung der Würzburger Band erfasst, inklusive der Songtitel wie „Marktplatz“, „Frontstadt“, „Spiesser“, „Bundeswehr“ oder „Terror in the State“. Das ist wichtig, weil man daran erkennt, dass die Band nicht nur „irgendwie Punk“ war, sondern textlich klar im klassischen 80er-Deutschpunk-Milieu lag: anti-national, anti-militaristisch, anti-spießig, lokal verankert. ([elb-power-records.com](https://elb-power-records.com/de/startseite/1334-annoyed-the.html)) ## Zur Würzburger Punkszene von damals **Über die Würzburger Szene selbst ist öffentlich deutlich weniger sauber dokumentiert als über große Zentren wie Berlin, Hamburg oder Düsseldorf.** Genau das ist der entscheidende Punkt: Würzburg hatte offenbar eine funktionierende lokale Punk-/Underground-Struktur, aber keine besonders gut archivierte Szeneöffentlichkeit. Diese Lücke ist typisch für mittlere Städte der 80er. ([sub-bavaria.de](https://www.sub-bavaria.de/wiki/The_Annoyed)) Was man trotzdem ableiten kann: Wenn eine Band wie The Annoyed in Eigenproduktion eine LP presst, in Grombühl kollektiv probt/wohnt und regional bekannt wird, dann gab es mehr als nur vier Leute mit Instrumenten. Dafür brauchte es ein kleines Netzwerk aus Proberäumen, Konzerten, Kontakten, Tape- oder Plattenvertrieb und einem Publikum vor Ort. Das ist keine romantische Überhöhung, sondern die praktische Voraussetzung dafür, dass so eine Platte überhaupt entsteht. Diese Schlussfolgerung stützt sich auf die Bandangaben selbst und auf Forschung zur westdeutschen Punk-Ausbreitung in kleinere Städte ab etwa 1979/80. ([sub-bavaria.de](https://www.sub-bavaria.de/wiki/The_Annoyed)) Ein wichtiger Unterschied zu vielen heutigen Rückblicken: Die Szene war damals meist **lokal, improvisiert und personell klein**. Nicht jede Stadt hatte ein großes Archiv, ein Fanzine oder eine lückenlose Konzertchronik. Deshalb tauchen Bands wie The Annoyed heute oft nur in verstreuten Datenbanken, Reissue-Shops oder Subkultur-Wikis auf, obwohl sie für ihre Region durchaus prägend gewesen sein können. ([sub-bavaria.de](https://www.sub-bavaria.de/wiki/The_Annoyed)) ## Was in Würzburg als Infrastruktur greifbar ist Für Würzburg ist das **Immerhin** als wichtiger alternativer Ort belegt; laut miz wurde es 1984 eröffnet, und das WürzburgWiki beschreibt es als langfristige Heimat besonders für Punk, Hardcore und verwandte Szenen. Das heißt nicht automatisch, dass The Annoyed dort sicher gespielt haben – dafür fehlt mir ein belastbarer Beleg –, aber es zeigt, dass Würzburg spätestens Mitte der 80er eine feste alternative Konzert- und Szenestruktur hatte. ([miz.org](https://miz.org/de/institutionen/jugendkulturtreff-immerhin-i35997)) Das ist wahrscheinlich der Punkt, den viele Standardantworten auslassen: Für Provinz- und Mittelstadtpunk war nicht nur die Band wichtig, sondern der **Ort**, an dem Szene dauerhaft sichtbar wurde. Ohne solche Treffpunkte verschwinden lokale Szenen fast spurlos aus der Geschichte. Mit ihnen bleiben wenigstens Namen, Erinnerungen und einzelne Veröffentlichungen erhalten. ([miz.org](https://miz.org/de/institutionen/jugendkulturtreff-immerhin-i35997)) ## Nüchterne Einordnung Mehr als diese Grunddaten zu den Mitgliedern ist öffentlich schwer belastbar. Ich finde keine verlässlichen Primärquellen mit Klarnamen, späteren Bandprojekten, Interviews oder einer detaillierten Chronik der Würzburger Punkszene der frühen/mittleren 80er. Sicher ist also: Band aus Würzburg, vier bekannte Spitznamen, Grombühl als Basis, ein DIY-Album 1987. Alles Weitere sollte man ohne zusätzliche Belege nicht als Tatsache ausgeben. ([sub-bavaria.de](https://www.sub-bavaria.de/wiki/The_Annoyed)) Wenn man die Szene von damals wirklich rekonstruieren will, sind die aussichtsreichsten Spuren nicht allgemeine Webtexte, sondern lokale Archive, alte Flyer, Fanzines, Stadtteil-Erinnerungen und das Umfeld des Immerhin. Öffentlich auffindbar ist die Lage derzeit eher fragmentarisch. ([miz.org](https://miz.org/de/institutionen/jugendkulturtreff-immerhin-i35997))