Die Frage „Brunos Vater: Vater und Mörder?“ bezieht sich vermutlich auf den Roman „Der Junge im gestreiften Pyjama“ von John Boyne. In diesem Buch ist Brunos Vater ein hoh... [mehr]
Die Figur Raskolnikoff (Rodion Raskolnikow) aus Dostojewskis Roman „Schuld und Sühne“ ist tatsächlich eine literarische Konstruktion, die bestimmte psychologische und philosophische Fragen zugespitzt darstellt. Seine extreme innere Zerrissenheit und das quälende Schuldgefühl nach dem Mord sind zentrale Themen des Romans. Ob das „unrealistisch“ ist, hängt davon ab, wie man Realität und Literatur betrachtet. Es gibt tatsächlich viele Fälle, in denen Täter nach einer schweren Tat keine oder nur geringe Reue zeigen – etwa bei bestimmten Persönlichkeitsstörungen oder in spezifischen sozialen Kontexten. Allerdings gibt es auch zahlreiche dokumentierte Fälle, in denen Menschen nach einer schweren Straftat von Schuldgefühlen, Angst und psychischer Belastung geplagt werden. Dostojewski wollte mit Raskolnikoff weniger einen „typischen“ Mörder schildern, sondern vielmehr die existenziellen und moralischen Konflikte eines Menschen, der sich über die Moral der Gesellschaft stellt. Die Figur ist also eher ein Extremfall, der philosophische Fragen nach Schuld, Sühne und Moral illustriert. Kurz gesagt: Raskolnikoff ist nicht als realistische Durchschnittsfigur gedacht, sondern als literarisches Extrembeispiel. Dass viele Mörder weniger von Schuldgefühlen geplagt werden, ist empirisch richtig – Dostojewski interessiert sich aber für die Ausnahme, nicht für die Regel.
Die Frage „Brunos Vater: Vater und Mörder?“ bezieht sich vermutlich auf den Roman „Der Junge im gestreiften Pyjama“ von John Boyne. In diesem Buch ist Brunos Vater ein hoh... [mehr]