In "Emilia Galotti" übt Lessing durch die Figur des Prinzen und die dargestellten Machtverhältnisse deutliche Kritik an absolutistischen Herrschern. Der Prinz repräsentiert die willkürliche Macht und die moralische Verkommenheit eines absolutistischen Systems, in dem persönliche Wünsche und Machtinteressen über das Wohl der Bürger gestellt werden. Lessing zeigt, wie der Prinz seine Macht missbraucht, um seine eigenen Begierden zu befriedigen, ohne Rücksicht auf die Konsequenzen für Emilia und ihre Familie. Diese Darstellung kritisiert nicht nur die Unmenschlichkeit und Selbstsucht absolutistischer Herrscher, sondern auch die Gefahren, die von einer unkontrollierten Macht ausgehen. Darüber hinaus thematisiert Lessing die Ohnmacht des Individuums gegenüber der Staatsgewalt und die moralischen Dilemmata, die aus dieser Ungleichheit resultieren. Die Figur des Odoardo, Emilias Vater, steht für die aufrechte Haltung und die moralischen Werte, die im Konflikt mit der tyrannischen Macht des Prinzen stehen. Insgesamt wird durch die Handlung und die Charaktere in "Emilia Galotti" ein eindringliches Bild der Kritik an der Willkürherrschaft und den damit verbundenen sozialen und moralischen Missständen gezeichnet.