Ist der Begriff „erstes Retortenbaby“ korrektes Deutsch?
Antwort vom**Nicht ganz: „Retortenbaby“ ist zwar eingebürgert, aber sachlich ungenau und sprachlich problematisch. Korrektes, neutrales Deutsch ist eher „erstes durch künstliche Befruchtung gezeugtes Kind“ oder genauer „erstes nach In-vitro-Fertilisation geborenes Kind“.** ## Warum „Retortenbaby“ kein guter Ausdruck ist Der Begriff stammt aus einer Zeit, in der man die Methode stark vereinfachend dargestellt hat. Tatsächlich wächst kein Embryo „in der Retorte“ auf. Bei der In-vitro-Fertilisation findet nur die Befruchtung außerhalb des Körpers statt; danach wird der Embryo in die Gebärmutter eingesetzt. Genau deshalb ist „Retortenbaby“ zwar verständlich, aber fachlich falsch. Dazu kommt: Das Wort klingt abwertend und macht aus einem medizinischen Verfahren ein Schlagwort. ## Was sprachlich besser ist Wenn es um gutes Deutsch in Presse oder Alltag geht, sind diese Formulierungen sauberer: - „das erste nach künstlicher Befruchtung geborene Kind“ - „das erste nach In-vitro-Fertilisation geborene Kind“ - „das erste IVF-Baby“ – nur, wenn die Abkürzung im Kontext verständlich ist ## Der eigentliche Unterschied „Korrektes Deutsch“ heißt hier nicht nur grammatisch richtig, sondern auch sachlich präzise und stilistisch angemessen. Grammatisch ist „erstes Retortenbaby“ möglich. Gute Sprache ist es trotzdem nicht, weil der Ausdruck ein falsches Bild erzeugt. Für journalistische Texte ist deshalb die beste Lösung: den historischen Begriff höchstens in Anführungszeichen zu nennen und dann durch die präzise Bezeichnung zu ersetzen.