Die allegorische Naturauslegung im Mittelalter bezieht sich auf die Deutung von Naturphänomenen und -erscheinungen als Symbole oder Metaphern für tiefere, oft religiöse oder moralische Wahrheiten. Diese Methode der Interpretation war besonders in der christlichen Theologie verbreitet, wo die Natur als ein Buch betrachtet wurde, das die Schöpfung Gottes und seine Eigenschaften widerspiegelt. In dieser Auslegung wird die physische Welt nicht nur als materielle Realität gesehen, sondern als Träger von spirituellen Bedeutungen. Zum Beispiel könnte ein Fluss nicht nur als Wasserlauf verstanden werden, sondern auch als Symbol für den Fluss des Lebens oder der Gnade Gottes. Pflanzen, Tiere und andere natürliche Elemente wurden oft mit bestimmten Tugenden oder Laster in Verbindung gebracht. Diese allegorische Sichtweise half den Menschen im Mittelalter, ihre Umwelt zu verstehen und zu interpretieren, indem sie die sichtbare Welt mit der unsichtbaren, spirituellen Realität verbanden. Sie förderte auch eine tiefere Reflexion über die Beziehung zwischen Mensch, Natur und Gott.