Gibt es neben Femiziden auch Maskulizide?
Antwort vom**Ja – sprachlich wäre „Maskuzid“ oder genauer „Androzid“ grundsätzlich denkbar, aber der entscheidende Unterschied ist: „Femizid“ meint nicht einfach nur die Tötung einer Frau, sondern die Tötung einer Frau *gerade weil sie eine Frau ist* oder im Kontext geschlechtsspezifischer Gewalt.** ## Der zentrale Unterschied „Femizid“ ist kein bloßes Gegenwort zu „Mord an Männern“. Der Begriff wurde eingeführt, um ein bestimmtes Muster sichtbar zu machen: - Frauen werden überdurchschnittlich oft von (Ex-)Partnern getötet. - Diese Taten stehen häufig in Zusammenhang mit Kontrolle, Besitzdenken, Trennung, sexualisierter Gewalt oder Frauenhass. - Der Begriff benennt also nicht nur das Opfergeschlecht, sondern das gesellschaftliche Gewaltmuster dahinter. Wenn ein Mann getötet wird, ist das deshalb nicht automatisch ein „Maskuzid“. Dafür müsste die Tötung gerade an sein Mannsein geknüpft sein – also weil er ein Mann ist. ## Gibt es so etwas inhaltlich trotzdem Ja, in bestimmten Zusammenhängen kann man von geschlechtsbezogener Tötung von Männern sprechen. Der gebräuchlichere Fachbegriff ist aber eher **Androzid** als „Maskuzid“. Beispiele wären: - gezielte Tötung von Männern in Kriegen, weil sie als Männer als Kämpfer gelten - Massaker, bei denen männliche Zivilisten systematisch ausgesondert und getötet werden - Gewalt gegen Männer, die an bestimmte Männlichkeitsbilder geknüpft ist Das ist aber etwas anderes als die übliche Alltagsdebatte über Femizide im häuslichen oder partnerschaftlichen Kontext. ## Warum der Vergleich oft schief läuft Der häufigste Denkfehler ist: „Wenn es ein Wort für getötete Frauen gibt, braucht man aus Fairness auch eins für getötete Männer.“ Das klingt zunächst logisch, greift aber zu kurz. Begriffe entstehen nicht nur aus sprachlicher Symmetrie, sondern weil sie ein **besonderes, wiederkehrendes Muster** benennen sollen. Genau deshalb hat sich „Femizid“ etabliert. Ein Vergleich macht es klarer: - **Nicht jeder Mord an einer Frau ist ein Femizid.** - **Nicht jeder Mord an einem Mann wäre ein Androzid oder ‚Maskuzid‘.** Entscheidend ist jeweils das Motiv und der strukturelle Kontext. ## Praktische Konsequenz Wer „Femizid“ nur als Gegenbegriff zu „Männer werden auch getötet“ versteht, verfehlt den Kern des Begriffs. Es geht nicht um sprachliche Gleichverteilung, sondern um die Benennung einer spezifischen Form geschlechtsbezogener Gewalt. Kurz gesagt: **Ja, ein entsprechender Begriff für Männer ist denkbar – aber er wäre nur dann passend, wenn Männer gezielt wegen ihres Geschlechts getötet werden. Genau deshalb ist „Femizid“ kein bloßes Modewort, sondern ein analytischer Begriff.**