Gibt es Gemeinschaften, die Außenstehende als Tiere sehen?

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**Ja – solche Vorstellungen gab und gibt es, aber meist nicht als wörtliche Lehre „alle Außenstehenden sind Tiere“, sondern als Form der Entmenschlichung: Die eigene Gruppe gilt als die eigentlichen Menschen, Außenstehende als minderwertig, tierähnlich oder nicht voll menschlich.** ([pmc.ncbi.nlm.nih.gov](https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9875809/)) ## Der entscheidende Unterschied Wichtig ist die Trennung zwischen zwei sehr verschiedenen Dingen: 1. **symbolische Tierzuordnung** Manche Gemeinschaften arbeiten mit Totemtieren oder Tierahnen. Das bedeutet nicht automatisch, dass Fremde „nur Tiere“ seien, sondern eher, dass Menschen und Tiere mythisch verwandt gedacht werden. ([de.wikipedia.org](https://de.wikipedia.org/wiki/Totemismus)) 2. **Abwertung von Außenstehenden** In Konflikten werden Fremdgruppen oft als „Bestien“, „Ungeziefer“, „Affen“ oder ähnlich dargestellt. Das ist keine neutrale Weltanschauung, sondern ein Mechanismus, der Gewalt moralisch leichter macht. Genau das beschreibt die Forschung zu animalistischer Dehumanisierung. ([pmc.ncbi.nlm.nih.gov](https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9875809/)) ## Gibt es Gemeinschaften mit genau dieser Sicht Als **dauerhafte, klar definierte Gemeinschaftslehre**, nach der *alle* Menschen außerhalb der Gruppe schlicht Tiere seien, ist das eher **selten und anthropologisch nicht als typischer Normalfall belegt**. Häufiger ist etwas anderes: - die eigene Gruppe nennt sich „die Menschen“ - Nachbarn oder Feinde gelten als „nicht ganz menschlich“ - in Krieg, Religion, Ethnokonflikten oder Sektenstrukturen wird diese Grenze radikalisiert. ([pmc.ncbi.nlm.nih.gov](https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8164157/)) Der praktische Punkt ist: **Nicht jede scharfe Wir-gegen-sie-Grenze meint biologisch „Tiere“, aber sehr viele Gruppen benutzen Tierbilder, um Außenstehende moralisch herabzusetzen.** ## Was oft missverstanden wird Ein überraschend wichtiger Unterschied: **„Außenstehende sind Tiere“ und „nur wir sind wirklich Menschen“ sind nicht dasselbe, führen aber sozial fast zum gleichen Ergebnis.** Gerade in der Ethnologie ist das relevant, weil ältere Berichte über „Naturvölker“ oder fremde Religionen solche Aussagen oft überzeichnet oder kolonial verzerrt wiedergegeben haben. Deshalb sollte man bei pauschalen Behauptungen vorsichtig sein. ([de.wikipedia.org](https://de.wikipedia.org/wiki/Naturvolk)) ## Klare Einordnung Die beste kurze Antwort ist daher: **Ja, es gibt und gab Gemeinschaften, die Außenstehende entmenschlichen und tierähnlich sehen. Aber eine wörtliche, allgemeine Doktrin „alle Nichtmitglieder sind Tiere“ ist deutlich seltener als die breitere Haltung „nur wir sind die eigentlichen Menschen“.** ([pmc.ncbi.nlm.nih.gov](https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9875809/))