Werden ältere Menschen durch fehlende Digitalkenntnisse benachteiligt und abgehängt?

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**Ja – ältere Menschen werden durch fehlende Digitalkenntnisse real benachteiligt, aber nicht wegen ihres Alters an sich, sondern weil immer mehr Alltags- und Behördendienste digital vorausgesetzt werden.** In Deutschland waren 2024 bei den 65- bis 74-Jährigen noch rund 12 % offline; zugleich laufen Terminbuchungen, Bankgeschäfte und Anträge immer häufiger online. Das schafft einen klaren Nachteil für alle, die keinen Zugang, keine Übung oder keine Unterstützung haben. ([destatis.de](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/04/PD25_N017_63.html)) ## Wo die Benachteiligung konkret entsteht Das Problem ist nicht nur „kein Internet“, sondern die Kombination aus Zugang, Bedienung und Sicherheit. Wer Formulare, Online-Termine, Zwei-Faktor-Anmeldungen oder Apps nicht sicher nutzen kann, braucht länger, ist stärker auf Hilfe angewiesen oder verzichtet ganz auf Leistungen. Besonders kritisch ist: Viele Angebote sind formal noch freiwillig digital, praktisch aber kaum noch gleichwertig analog erreichbar. Genau dadurch entsteht Ausgrenzung – nicht als Einzelfall, sondern als Strukturproblem. Der Achte Altersbericht der Bundesregierung beschreibt digitale Teilhabe ausdrücklich als Voraussetzung gesellschaftlicher Teilhabe. ([bmfsfj.de](https://www.bmfsfj.de/resource/blob/159704/31d38e4cfca1d0757dba7bd09315aa78/achter-altersbericht-aeltere-menschen-und-digitalisierung-data.pdf)) ## Aber: „die Älteren“ sind keine einheitliche Gruppe Die pauschale Aussage „ältere Menschen sind digital abgehängt“ ist zu grob. Laut Destatis nutzen in der Altersgruppe 65 bis 74 inzwischen etwa 90 % das Internet; viele kaufen online ein, kommunizieren digital und nutzen Alltagsdienste selbstverständlich. Benachteiligt ist also nicht automatisch jeder Ältere, sondern vor allem ein Teil der Gruppe. ([destatis.de](https://www.destatis.de/EN/Themes/Society-Environment/Income-Consumption-Living-Conditions/Use-Information-Technologies/Tables/use-internet-sex-age-mz-ikt.html)) Entscheidend sind meist vier Risikofaktoren: hohes Alter, geringes Einkommen, niedrige Bildung und gesundheitliche Einschränkungen. Wer mehrere dieser Faktoren zugleich hat, ist deutlich stärker gefährdet, digital ausgeschlossen zu werden. Darin liegt der eigentliche Kern des Problems – weniger im Geburtsjahr als in ungleichen Voraussetzungen. ([bmfsfj.de](https://www.bmfsfj.de/resource/blob/159704/31d38e4cfca1d0757dba7bd09315aa78/achter-altersbericht-aeltere-menschen-und-digitalisierung-data.pdf)) ## Der wichtige Unterschied Es geht nicht nur um Komfort, sondern um Teilhabe. Wenn ein Jüngerer eine App nicht mag, ist das oft lästig. Wenn ein Hochaltriger ohne Digitalkenntnisse keinen Arzttermin, keine Bahnfahrkarte oder keinen Behördenkontakt mehr einfach erledigen kann, wird aus Technik sofort ein Versorgungsproblem. Genau deshalb ist „lernt halt digital“ keine ausreichende Lösung. Nötig sind parallel nutzbare analoge Wege, einfache Oberflächen und konkrete Unterstützung vor Ort. Sonst verschiebt Digitalisierung bestehende Ungleichheit nur in den Bildschirm. ([bmfsfj.de](https://www.bmfsfj.de/resource/blob/159704/31d38e4cfca1d0757dba7bd09315aa78/achter-altersbericht-aeltere-menschen-und-digitalisierung-data.pdf))

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