Was ist Schätzung in Scrum?
Antwort vom**Schätzung in Scrum heißt: Das Team bewertet den Aufwand, die Komplexität und das Risiko eines Backlog-Eintrags, damit es realistisch planen kann — nicht, um eine exakte Stundenzahl vorherzusagen.** ## Was damit gemeint ist In Scrum wird meist nicht präzise gefragt: „Wie viele Stunden dauert das?“ Sondern eher: „Wie groß oder aufwendig ist dieses Arbeitspaket im Vergleich zu anderen?“ Der entscheidende Punkt ist: Eine Scrum-Schätzung ist **relativ**, nicht absolut. Ein Team sagt also eher „Diese User Story ist doppelt so aufwendig wie jene“ statt „Das dauert genau 11,5 Stunden“. ## Warum Scrum so schätzt Stundenschätzungen wirken oft genauer, als sie wirklich sind. Gerade bei Wissensarbeit ändern sich Anforderungen, technische Probleme tauchen erst während der Umsetzung auf und Abhängigkeiten werden oft zu spät sichtbar. Relative Schätzungen sind deshalb in Scrum meist nützlicher, weil sie drei Dinge gleichzeitig abbilden: - **Aufwand** - **Komplexität** - **Unsicherheit/Risiko** Genau das ist der praktische Nutzen: Das Team kann besser entscheiden, **was in einen Sprint passt** und wo noch Klärungsbedarf besteht. ## Typische Formen der Schätzung Häufig nutzt ein Scrum-Team: - **Story Points** Eine relative Größe für Aufwand und Unsicherheit. - **T-Shirt-Größen** Zum Beispiel S, M, L, XL für eine grobe Einordnung. - **Planning Poker** Das Team schätzt gemeinsam, diskutiert Unterschiede und einigt sich dann. Wichtiger Unterschied: **Story Points sind keine Zeitangabe.** Wenn ein Team 8 Story Points vergibt, heißt das nicht automatisch „8 Stunden“ oder „8 Tage“. ## Was oft falsch verstanden wird Ein häufiger Fehler ist, Schätzungen als Leistungsdruck-Werkzeug zu benutzen. Dann verlieren sie ihren Zweck. Schätzungen in Scrum sollen vor allem helfen: - Arbeit besser zu schneiden - Risiken früh zu erkennen - Sprint Planning realistischer zu machen - Erwartungen gegenüber Stakeholdern besser zu steuern Wenn Schätzungen ständig „falsch“ wirken, liegt das oft nicht am Team, sondern daran, dass Anforderungen unklar oder Stories zu groß geschnitten sind. ## Praxisbeispiel Wenn zwei User Stories vorliegen: - Button-Farbe ändern - Neues Bezahlsystem integrieren dann ist klar: Beides ist nicht einfach nur „eine Aufgabe“. Die zweite Story hat deutlich mehr technische Unsicherheit, Abhängigkeiten und Testaufwand. Genau dafür ist die Scrum-Schätzung da: **nicht nur Dauer zu raten, sondern Größe und Risiko sichtbar zu machen.** ## Kurz gesagt Schätzung in Scrum ist **ein gemeinsames Verständnis über die Größe einer Aufgabe**. Der größte Nutzen ist nicht die Zahl selbst, sondern dass das Team dabei Unklarheiten, Risiken und falsche Annahmen früh entdeckt.